Brackenheimer Wein - gestern und heute: Stadt Brackenheim

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Brackenheimer Wein - gestern und heute

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Brackenheimer Wein - gestern und heute

„Willkommen in der Wein- und Heuss-Stadt Brackenheim“, so werden die Besucher Brackenheims an allen Ortseingängen begrüßt. Nirgendwo in Württemberg stehen so viele Rebstöcke wie rund um Bracken­heim. Mit etwa 840 Hektar Anbaufläche (dies entspricht rund 1.200 Fußballfeldern) ist die Geburtsstadt des ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss mit den Stadtteilen Botenheim, Dürrenzimmern, Haberschlacht, Hausen an der Zaber, Meimsheim, Neipperg und Stockheim die größte Weinbaugemeinde in Württemberg und die größte Rotweingemeinde Deutschlands.
Da wir nicht nur die größte Weinbaugemeinde sind, sondern auch für ein vielfältiges vinophiles Angebot stehen, hat die Stadt Brackenheim im Herbst 2020 das neue Siegel „Weinsüden Weinort“ der "Tourismus Marketing Baden-Württemberg GmbH" für die Dauer von drei Jahren verliehen bekommen.
Um Ihnen die Macher und die Hintergründe der Brackenheimer Weine näher zu bringen, möchten wir Ihnen, liebe Bürgerinnen und Bürger, ab Juni in jeder Gesamtausgabe des Amtsblattes, und zusätzlich auf der städtischen Homepage, die Geschichte und Gegenwart des Brackenheimer Weinbaus präsentieren.
"Brackenheimer Wein - gestern und heute" ist ein gemeinsames Projekt der Stadtarchivarin Dr. Döbele-Carlesso sowie der Stabsstelle für Öffentlichkeitsarbeit, Kultur und Events. Wir werden Ihnen die Brackenheimer Weingärtnerinnen und Weingärtner persönlich vorstellen sowie tief in die Geschichte des Brackenheimer Weinbaus eintauchen.

Lassen Sie sich überraschen, was der Weinbau in Brackenheim alles zu bieten hat!

Interview mit Weingut Holzwarth

Bitte stellen Sie einleitend sich und Ihr Weingut kurz vor.
Wir sind das kleine Familienweingut Rolf Holzwarth. Unser Hof befindet sich zwischen Botenheim und Cleebronn. Bekannt sind wir ebenfalls für unsere Besenwirtschaft „Spundloch“, die saisonal geöffnet ist. Unsere Weine gedeihen am Botenheimer Ochsenberg sowie am Cleebronner Michaelsberg. Traditionell kultivieren wir die Württemberger Rebsorten Lemberger und Trollinger, aber auch Riesling, Weißburgunder, Silvaner, Kerner, Muskattrollinger und Cabernet Mitos.

Wie sind Sie zum Weinbau gekommen?
Seit Generationen wird in unserer Familie Weinbau und Landwirtschaft betrieben. Im Jahr 1978 sind wir mit unserem landwirtschaftlichen Mischbetrieb von der Cleebronner Ortslage in das idyllische Botenheimer Tal ausgesiedelt. Unser Großvater Wilhelm Holzwarth lieferte die Trauben noch an die örtliche Genossenschaft in Cleebronn ab. Doch mit dem neugewonnenen Platz auf dem Aussiedlerhof verwirklichte sich sein Sohn Rolf im Jahr 1984 den Traum vom eigenen Weingut mit Besenwirtschaft. Der Fokus galt von nun an dem Weinbau.

Was macht Ihnen an Ihrem Job besonders viel Freude? Was treibt Sie an?
Weinbau bedeutet für uns Leidenschaft, Tradition und den Erhalt einer einzigartigen Kulturlandschaft, aber auch Zusammenhalt. So erfordert die Weinherstellung das ganze Jahr über viele tatkräftige Hände. Drei Generationen unserer Familie, Opa, Oma sowie die drei Töchter mit Partner, wirken hierbei eifrig mit. Gemeinsam mit motivierten Freunden und Bekannten wird auch die Traubenlese bewerkstelligt. Was gibt es denn Schöneres als einen gelungenen Tag im Weinberg mit einem reichhaltigen Vesper und einem Gläschen Wein in Geselligkeit abzuschließen?

Wie sieht ein typischer Tag auf Ihrem Weingut aus?
Kein Tag ist gleich wie der andere – je nach Jahreszeit, Wetterlage und anstehenden Arbeiten im Weinberg, im Keller oder im Weinverkauf gestaltet sich der Tagesablauf. Planbar ist er daher nicht immer, Spontanität ist oftmals gefragt.

Was zeichnet Ihr Weingut besonders aus?
Wir produzieren Weine mit individuellem Charakter, aus denen ein Weinkenner sogar den Jahrgang erkennen kann. Unsere Weine werden überwiegend trocken bis halbtrocken ausgebaut. Die Rotweine werden mit traditioneller Maischegärung hergestellt. Die Reifung der Weine erfolgt in der Regel im Edelstahltank oder wie bei unserer "Hartneckig-Serie" im Eichenholzfass.

Wie viele verschiedene Weine produzieren Sie?
Wir haben neun verschiedene Sorten, aus denen wir ca. 20 unterschiedliche Weine keltern und zwei Sekte.

Wie viele Flaschen füllen Sie im Jahr ab?
Circa 20.000 Flaschen.

Was weiß fast niemand über Ihr Weingut?
Seit 2019 haben wir auch neue Sorten im Anbau, die widerstandsfähig gegen Rebkrankheiten sind und dadurch bedeutend weniger Pflanzenschutz benötigen. Dies ermöglicht einen nachhaltigeren Weinbau.

Gibt es eine besondere Anekdote zu Ihrem Weingut?

Es werden heute noch Geschichten vom Mondschein-Wengert erzählt. Der Riesling-Weinberg musste dringend geerntet werden, doch wie so oft spielte Petrus nicht mit und ließ es ununterbrochen regnen. Zur Dämmerung wurde es allmählich trocken, so dass wir im Scheinwerferlicht mehrerer Fahrzeuge die ohnehin schon gut getarnten Riesling-Trauben lesen konnten.

Welchen Wein trinken Sie privat am liebsten? Von Ihrem Weingut und einem anderen.
Ein Geheimtipp ist definitiv der Weißburgunder Hartneckig - für alle, die trockene Weißweine aus dem Eichenfass mögen. Auch der blumige Muskattrollinger, gekühlt an einem Sommerabend auf der Terrasse, ist ein Highlight. Gerne trinken wir auch Weine, die unsere Kollegen und Kolleginnen ausbauen, um die Vielfalt der Weinwelt zu erleben.

Worauf sind Sie besonders stolz?
Auf unsere urige Besenwirtschaft „Spundloch“ und wir hoffen, dass wir die Gemütlichkeit von vor Corona wieder erreichen können.

Was sind Ihre Wünsche für die Zukunft?
Wir wünschen uns, dass die Konsumenten unsere Arbeit anerkennen und unsere regionalen Weine wertschätzen.

Kontakt zum Weingut:
Weingut Holzwarth, Schleifweg 94, 74336 Brackenheim-Botenheim
Telefonnummer: 07135/12656
E-Mail
Internet: https://www.weingut-holzwarth.de
Weinverkaufszeiten: Samstags von 9 bis 15 Uhr oder täglich nach telefonischer Absprache

Aus der Geschichte des Brackenheimer Weinbaus - Das Keltern in früherer Zeit

Während in den Reichsstädten der Kelterzwang vielfach unbekannt war und jeder Weinbergbesitzer seine eigene Kelter bauen und betreiben konnte, gab es in Württemberg das nahezu vollständig ausgebildete System der Bannkelter. Der Weingärtner war gezwungen in die Kelter zu fahren, unter deren Bann er seine Weinberge liegen hatte. Für die Benutzung der Kelter hatte er eine Weinabgabe, den sogenannten Kelterwein, zu entrichten. Das Kelterrecht lag auf bestimmten Kelterplätzen und wurde von der Herrschaft Württemberg gewährt. Nur mit ihrer Genehmigung konnte es veräußert oder auf andere Plätze übertragen werden. Im 18. Jahrhundert befanden sich in Stadt und Amt Brackenheim einschließlich der Stabsorte zwölf herrschaftliche Keltern, fünf Privat- und drei Gemeindekeltern, in denen als Weinpressen fast ausschließlich Kelterbäume, das waren große, aus Holz hergestellte Hebelpressen, aufgestellt waren. In Brackenheim standen nach dem Bau der Schlosskelter im Jahre 1731 (als Ersatz für die beim Stadtbrand 1691 zerstörte untere Kelter) insgesamt zwölf Kelterbäume zur Nutzung bereit, davon neun herrschaftliche und drei private.

Rechtzeitig vor dem Herbst gab der herrschaftliche Finanzbeamte, Keller genannt, Weisungen für das Richten der Keltern und des Keltergeschirrs. Die Bütten waren aufzustellen und für die Keltern mussten genügend Bracken, Bretter und Spindeln vorhanden sein. Daneben hatte der Keller darauf zu achten, dass genügend Herbstgeschirr, vor allem Eichen zum Abmessen des Weins zur Verfügung standen, und dass dieses Geschirr auch jährlich neu geeicht wurde. Bei der Festlegung des Beginns der Weinlese wurde nicht nur die Herbst- und Kelterordnung verlesen, sondern auch die Herbstbedienten angenommen und vereidigt. Dazu zählten alle, die während des Herbstes mit dem Einzug der Gefällweine und dem Keltern beschäftigt waren.

Wichtigste Person in der Kelter war der Kelterschreiber. Er führte als Keltermeister die Aufsicht und hatte danach zu sehen, dass die Kelterordnung beachtet wurde. Er rechnete mit den Kelternden ab und führte ein Herbstregister, in welchem er die gepresste Weinmenge eines jeden Weinbergbesitzers verzeichnete. In der Ordnung wie die Weinbergbesitzer sich nach dem Vorlass, dem ohne Pressung von der Bütte abfließenden Most, bei der Kelterschreiberei gemeldet hatten, wurden sie zum Deichen (Keltern) zugelassen. Die Vorschriften zum Kelterbetrieb zielten auf eine schnelle Abwicklung der Keltergeschäfte hin. Die Reihenfolge der Deichenden war auf einer Deichtafel zu notieren. Derjenige, der mit dem Keltern an der Reihe war, sollte sich unverzüglich, bei Tag oder Nacht, zum Aufschütten der Maische auf dem Biet (Presstisch) gefasst machen und durfte den Kelterbaum nicht leer stehen lassen. Zu einem Säcker (das Quantum Maische, das auf ein Mal zum Pressen kam) sollten mindestens 25 Butten Trauben genommen werden. Wenn der Deichende keinen ganzen Säcker zusammenbrachte, hatte er sich mit anderen abzustimmen und die Trauben zusammenzuschütten. Drei Säcker mussten in 24 Stunden ausgedeicht sein. Der Pressvorgang wurde dabei drei bis vier Mal wiederholt. Den beim Keltern ablaufenden Most bezeichnete man als Druck. Der beim ersten Pressvorgang ablaufende Druck hieß Vorschuss. Nachlauf erhielt man aus ein- bis mehrmals behauenen Säckern. Hierbei wurde das Pressgut aufgelockert und erneut abgepresst. Nachwein oder Tresterwein, hier Leire oder Läure genannt, wurde gewonnen, indem man mit Wasser eingeweichte Trester erneut auspresste.

Der Keltermeister und die Kelterknechte sollten den Kelternden nicht gestatten, die Bäume allzu sehr zu spannen. Es sollten auch nicht mehr als drei Personen daran ziehen oder die Bäume schnell ablaufen lassen und auf diese Weise Spindel, Bracken und Bretter zerreißen. Nach der alten Brackenheimer Herbstordnung von 1615 war Unbefugten das Betreten der Keltergebäude verboten, bey straff des Narrenheußlins oder Thurms. Denn das Arbeiten mit den Kelterbäumen war nicht ungefährlich. Im Jahre 1762 ereignete sich in der Kelter in Meimsheim gar ein tödliches Unglück, über welches der Meimsheimer Pfarrer Daniel Renz in seinem Memorabilien-Buch wie folgt berichtete:

Anno 1762. Es war der 10. October, Sonntag, im Herbst, als Johann Heinrich Hörmann, Bürger und Bauersmann allhier kelterte, als nun abends ohngefehr um 5 Uhr sein Sohn, gleiches Nahmens, 16 Jahre alt, auch in die Kelter gienge, und sich zu dem gewöhnlichen Kelter-Feuer, ohnweit einem in die Höhe getriebenen Kelterbaums nidersetzte; so kam der Arm an der Spindel loß, und versetzte Ihme an das Occiput (Hinterhauptbein) einen solch gewaltig Schlag, daß Er gleich zu Boden fiel, und Er aller seiner Sinnnen auff einmal beraubet wurde. Der Vater selbsten trug Ihn nach Hauß, man ließ Ihn zur Ader und probirte sonst allerhand mit Ihme, allein Er blieb sinnloß, und in solch erbärmlichem Zustand starb er mitternacht 12 Uhren.

Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann man Brackenheim und seinen heutigen Stadtteilen die Kelterbäume durch hydraulische Weinpressen zu ersetzen.

Quelle: Isolde A. Döbele-Carlesso: Weinbau und Weinhandel in Württemberg in der frühen Neuzeit am Beispiel von Stadt und Amt Brackenheim, Brackenheim 1999.

Interview mit dem Weingut Winkler

Bitte stellen Sie einleitend sich und Ihr Weingut kurz vor.
Weinbau wird bei uns in der dritten Generation betrieben. Das Weingut Winkler besteht seit 1982. Davor haben wir nur Trauben abgeliefert. Thomas Winkler hat dann mit einer kleinen Selbstvermarktung begonnen. Im Laufe der Jahre wurde die Selbstvermarktung immer größer. 1992 wurde die Besenwirtschaft „Uff´m Scheuraboda“ eröffnet und 2008 haben wir den Gewölbekeller unter dem Haus ausgebaut, indem man ebenfalls verschiedene Veranstaltungen feiern kann.

Wie sind Sie zum Weinbau gekommen?
Thomas Winkler: Bis 1982 wurden alle produzierten Trauben von einer Kellerei aufgekauft. Während meiner Ausbildung begann ich parallel mit dem Weinausbau. Da langfristig zwei Familien vom Traubenverkauf nicht existieren konnten und für mich feststand, dass Produktion und Weinverkauf eine „runde Sache“ werden mussten, und ich nicht nur Traubenproduzent sondern auch Weinerzeuger werden wollte, begann ich, eigene Weine auszubauen. 1992 wurde dann zur weiteren Neukundengewinnung unsere Besenwirtschaft „Uff´m Scheuraboda“ (die erste Besenwirtschaft in Brackenheim) eröffnet. 2008 wurde der Gewölbekeller im Haus ausgebaut, in dem wir zusätzlich Gesellschaften bewirten.

Markus Winkler: Schon als Kind haben mich meine Eltern in den „Wengert“ mitgenommen und ich hatte große Freude, wenn ich etwas helfen durfte. Dann als Jugendlicher hieß es, wenn ich mein Taschengeld aufbessern wollte: „Ab in den Wengert!“ Ehrlich gesagt, dies war mir dann nicht immer zur Freude. Später habe ich mich entschieden den Familienbetrieb fortzuführen. Anfangs lag mein Interessenschwerpunkt im Außenbetrieb und draußen in der Natur zu arbeiten oder mit dem Traktor zu fahren. Ich habe dann meinen Winzermeister gemacht und die verschiedenen Möglichkeiten in der Kellerwirtschaft kennen und lieben gelernt.

Was macht Ihnen an Ihrem Job besonders viel Freude? Was treibt Sie an?
Thomas Winkler: Der Beruf des Winzers bietet Vielseitigkeit, Abwechslung, Arbeiten im Jahreslauf. Als Besenwirt freue ich mich über die Geselligkeit und die Gespräche mit Besengästen und Weinkunden.

Wie sieht ein typischer Tag auf Ihrem Weingut aus?
Da wir ein Kleinbetrieb sind und jeder für alles zuständig ist, fängt der Arbeitstag meist mit der üblichen Büroarbeit an. Anschließend geht es – abhängig von der Jahreszeit – in die Weinberge. Nicht zu unterschätzen ist der Zeitaufwand für kellerwirtschaftliche Arbeiten und Vermarktung und der Arbeitsaufwand rund um den Besenbetrieb.

Was zeichnet Ihr Weingut besonders aus?
Durch unsere kleinere Betriebsgröße haben wir die Möglichkeit die Weine individueller in kleineren Gärgebinden auszubauen. Wir setzen auf naturnahen Weinbau und traditionelle Kellertechnik.

Wie viele verschiedene Weine produzieren Sie?
Jedes Jahr werden von uns ca. 30 verschiedene Weine individuell ausgebaut. Verantwortlich ist hierfür Kellermeister Markus Winkler.

Wie viele Flaschen füllen Sie im Jahr ab?
Wir ernten und bewirtschaften ca. 24.000 Rebstöcke, die in Flaschen gefüllt werden.

Was weiß fast niemand über Ihr Weingut?
Wir bieten neben unseren Weinen auch die Möglichkeit einer Rebpatenschaft an, bei der die Paten einen eigenen Rebstock bekommen und im Jahreslauf bei verschiedenen Events selbst Hand anlegen. Zur Wahl stehen die Bronze-, Silber-, oder Gold-Patenschaft.

Unser „Wein des Monats“ wird auch über unsere Internetseite im Shop angeboten. Besonders beliebt ist unsere Gästeweinlese mit zünftigem Winzervesper.

Gibt es eine besondere Anekdote zu Ihrem Weingut?
1992 hat ein Zauberkünstler bei einer Feier Kartentricks vorgeführt. Die gesuchte Karte wurde von ihm an die Decke in der Besenwirtschaft geworfen. Dort klebt sie noch heute. Bei einer Renovierung Jahre später hat man um die Karte herumgestrichen…..

Wer weiß, welche Karte gemeint ist? Die ersten 5 richtigen Antworten können sich eine Flasche Lemberger Kabinett im Weingut abholen. Antworten unter info@winklerwein.de an uns.

Welchen Wein trinken Sie privat am liebsten? Von Ihrem Weingut und einem anderen.
Thomas Winkler: Ich habe keinen Lieblingswein, aber ich trinke täglich unseren Traubensaft als Schorle. Wenn ich Wein trinke, dann trinke ich gerne unsere eigenen Weine und wähle den Wein je nach Gelegenheit und Essen aus. Bei besonderen Anlässen genieße ich traditionell einen Lemberger Spätlese trocken ausgebaut, Jahrgang 2018. Außerdem probiere auch ab und zu die Weine von anderen Weingütern.

Markus Winkler: In den Sommermonaten trinke ich gerne nach Feierabend einen gut gekühlten Trollinger weißgekeltert.

Worauf sind Sie besonders stolz?
Markus Winkler: Stolz kommt vor dem Zusammenbruch und Hochmut vor dem Fall. Ich bin einfach dankbar, dass ich das was sich die Generationen vor mir erarbeitet haben, weiterführen kann. Auch in schwierigen Zeiten einen guten Zusammenhalt zu haben, ob familiär oder im Weingut Winkler-Team, macht mich glücklich.

Was sind Ihre Wünsche für die Zukunft?
Für das Weingut wünschen wir uns, dass die körperliche Arbeit und die viele Zeit, die wir investieren, auch in Zukunft Früchte trägt und wir das Weingut noch lange Zeit weiterführen dürfen. Für unsere Weinkunden und Besengästen wünschen wir angenehme gesellige Stunden und Freude an unseren Weinen. Für unsere Familie wünschen wir uns ein gutes Miteinander, Gesundheit und immer wieder kleine Glücksmomente.
Kurzum: Gesundheit und Geselligkeit. Weiterhin 100%-ige Top-Jahrgänge der Weine aus­zu­bauen und den Kunden persönlich anbieten zu können. Endlich wieder nette Weinfeste zu feiern und unsere gesellige Besenwirtschaft für Sie zu öffnen.

Kontakt zum Weingut:
Weingut Thomas Winkler
Stockheimer Straße 13, 74336 Brackenheim
Telefonnummer: 07135/13023
E-Mail
Homepage

Weinverkaufszeiten: Montag bis Freitag von 18.00 bis 20.00 Uhr, Samstags von 9.00 bis 16.00 Uhr

 

Von Herbstfeiern und Herbstbräuchen

Die Zeit der Weinernte ist in Weingegenden eine ganz besondere; die Weinernte selbst wird bei uns Weinlese oder „Herbst“ genannt. Um den „Herbst“ haben sich eine ganze Reihe von Feiern und Bräuchen herausgebildet. Als Beispiel für eine Herbstfeier, wie sie in Brackenheim in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begangen wurde, sei hier die von 1881 angeführt. Veranstaltet wurde sie am 22. September (noch vor Beginn der eigentlichen Weinlese) von der Brackenheimer Gesellschaft „Harmonie“, einer bürgerlichen Vereinigung, die damals das kulturelle Leben unserer Stadt prägte. Über den Verlauf der Feier war im Zaber-Boten zu lesen:

„Was willst Du in die Ferne schweifen, sie das Schöne ist so nah!“ Dies oder Ähnliches wird wohl Jedermann gedacht haben, der letzten Donnerstag der Herbstfeier der hiesigen Harmonie-Gesellschaft anwohnte. Wenn sich auch im Voraus annehmen ließ, daß ein heiterer vergnügter Nachmittag in Aussicht zu nehmen seie, so wurden die gehegten Erwartungen doch noch übertroffen. Nachmittags halb 3 Uhr setzte sich der zwar Anfangs kleine, sich aber später immer mehr vergrößernde Zug unter Vorantritt der Musikkapelle des Herrn Scherzler in Bewegung und fort ging es den Wolfsaugen zu, allwo eine ausgesteckte, schon von der Stadt aus sichtbare Fahne den Festplatz bezeichnete. Trotz des Anfangs kühlen Wetters entwickelte sich alsbald ein heiteres, gemüthliches Treiben, unterstützt durch die fröhlichen Weisen der Kapelle. Herr Traubenwirth Beuttner hier, der die Wirtschaft übernommen hatte, sorgte durch gute Weine und Speisen dafür, daß die fröhliche Stimmung nicht wich. Während nun die älteren Personen mit Lust dem Schießen oblagen, vergnügten sich die Kleinen mit Springspielen und erhielten kleine Preise. Das von der Gesellschaft gegebene und von dem bekannten Meister Kleinknecht gelieferte Feuerwerk wurde mit Einbruch der Dunkelheit von Herrn Kaufmann Weitzsäcker abgebrannt, und erregte bei Jung und Alt, durch seine prächtigen Farbenwechsel, große Mannigfaltigkeit und seine wirklich künstlerische Ausführung die größte Bewunderung, weshalb Herrn Kleinknecht und Herrn Weitzsäcker auch die so wohlverdiente Anerkennung nicht vorenthalten wurde. Kurz vor 8 Uhr wurde der mit Fackeln, Lampions usw. erhellte Rückzug unter fröhlichem Sang und Klang angetreten, trug doch Jedermann das Bewußtsein in sich, wieder einmal einen fröhlichen heiteren Mittag verlebt zu haben.“

Ein schöner Herbstbrauch der Jugend, der leider abgegangen ist, ist für Dürrenzimmern belegt. Dort haben sich die Jugendlichen des Dorfes während der Weinlese abends auf dem „Fackelplatz“ getroffen. In einem Bericht von 1929 wird der Brauch wie folgt beschrieben:

„Eine schöne Herbstsitte besteht hier seit alten Zeiten. Mit dem Beginn der Lese zieht die Schuljugend einzeln, zu zweien und dreien mit Lampions zu dem auf einem abgeernteten Acker gelegenen Fackelplatz. Hier wird ein mächtiges Feuer angezündet. Die schon tagsüber aus alten Weinbergpfählen hergestellten Fackeln werden am Feuer in Brand gesetzt und im Kreise geschwungen. Ein zauberisches Bild. Unter dem Freudengeschrei der Kinder werden Frösche und Schwärmer losgelassen. Ist das Feuer niedergebrannt, werden auch die Fackeln ausgelöscht und heimwärts zieht die Jugend mit brennenden Lampions und mit dem Gesang des alten Neckliedes: „Und wenn der Schneider gestohle hat, und weiß er net wo naus, no schlupft er in sei Nodelbüchs und päppert obe raus“. Mit dem Schluß der Lese nimmt auch das Fackeln ein Ende.“

Quellen: Isolde A. Döbele-Carlesso: Dürrenzimmern. Ein Dorf und seine Geschichte, Brackenheim 1994 u. Zaber-Bote v. 26.9.1881

Interview mit dem Weingut Blatt

Bitte stellen Sie einleitend sich und Ihr Weingut kurz vor.
Weingut Blatt, das sind wir: Matthias, Carmen und Lisa-Marie Blatt. Wein und Weinberge sind schon seit Generationen der Lebensinhalt unserer Familie. In unseren Weinbergen in den Einzellagen Hausener Jupiterberg, Lauffener Katzenbeißer und Haberschlachter Dachsberg wachsen unsere Trauben. Die Eigenschaften der Weinbergböden übertragen sich in unsere ehrlichen und authentischen Weine.

Was macht Ihnen an Ihrem Job besonders viel Freude? Was treibt Sie an?
Unser Familienweingut hat sich aus einem traditionellen Gemischtbetrieb mit Weinbau, Obstbau und Landwirtschaft entwickelt. Es sind die speziellen Anforderungen des Weinbaus wie auch der Vinifikation, die uns in unserer Entwicklung zu einem selbstvermarktenden Weingut bekräftigt haben. Die Interaktion mit unseren Weinkunden bereitet uns in unserem täglichen Handeln viel Freude.

Wie sieht ein typischer Tag auf Ihrem Weingut aus?
Regel Nr. 1: In einem Weinbaubetrieb gibt es keine „typischen“ Tage. An jedem Arbeitstag wird man vor neue Herausforderungen gestellt, denen man individuell und zielgerichtet begegnen muss. Natürlich beeinflusst die Vegetation das Handeln enorm. Gerade in sehr arbeitsintensiven Zeiten wie der Weinlese und dem Laubmanagement in den Weinbergen beginnen die Tage sehr früh und enden spät mit der Besprechung der Frage, welche Arbeiten am nächsten Tag zu erledigen sind.

Was zeichnet Ihr Weingut besonders aus?
Wir stehen für erlebbare Weinkultur. Den Weinkunden unsere Weinphilosophie nahe zu bringen, liegt uns am Herzen. Für Weininteressierte bieten wir Weinproben und Weinführungen an.

Wie viele verschiedene Weine produzieren Sie?
Unser Weinsortiment zeichnet sich durch authentische Weine aus, die von ihrer Herkunft geprägt sind. Diese bieten für jeden Weinliebhaber einen Genuss für den Alltag und für festliche Anlässe. Neben den klassischen Württemberger Rebsorten bieten wir auch Weine der Rebneuzüchtungen Cabernet Dorsa und Sauvignon Cita an.

Wie viele Flaschen füllen Sie im Jahr ab?
So viele wie wir mit Unterstützung unserer Weinkunden trinken können.

Was weiß fast niemand über Ihr Weingut?
Ein Teil unseres Wein“kellers“ liegt auf dem Dachboden. Die Temperaturen dort sorgen für eine absolute Wohlfühlatmosphäre für die Weinhefe und ermöglichen somit einen optimalen Gärstart sowie die Ausprägung eines interessanten Weinbouquets.

Gibt es eine besondere Anekdote zu Ihrem Weingut?
Da die Jupiter-Gigantensäule in Hausen a.d.Z. gefunden wurde, ist es naheliegend, dass bereits unsere römischen Vorfahren erkannt haben, dass sich unter den hier herrschenden klimatischen Bedingungen hervorragende Trauben erzeugen lassen.

Welchen Wein trinken Sie privat am liebsten? Von Ihrem Weingut und einem anderen.
Jetzt im Sommer sind es besonders die Rosé- und Weißweine, die uns große Trinkfreude bereiten. So ergänzt z.B. der Sauvignon Cita Spätlese trocken hervorragend einen gemütlichen Grillabend.

Worauf sind Sie besonders stolz?
Der Weinbau unterliegt einem ständigen Wandel. Besonders stolz sind wir natürlich darauf, diesen Herausforderungen erfolgreich zu begegnen, an ihnen zu wachsen und unseren Weinkunden jedes Jahr hervorragende Weine präsentieren zu können.

Was sind Ihre Wünsche für die Zukunft?
Gerade uns Winzern ist es durch unsere tägliche Arbeit möglich, die Natur so zu behandeln, dass sie auch unseren nachfolgenden Generationen alle Möglichkeiten bietet und erhalten bleibt. Daher wünschen wir uns, dieser Berufung noch möglichst lange nachgehen zu können.

Kontakt zum Weingut
Weingut Matthias Blatt
Nordheimer Weg 2
74336 Brackenheim-Hausen
Telefonnummer: 07135 6780
m.blatt(@)weingut-blatt.de
Homepage
Öffnungszeiten: Wir sind jederzeit nach Absprache für Sie da, sowie samstags von 8.00 bis 16.00 Uhr.

 

Arbeiten im Weinberg

Der heutige Rebbau erfolgt als Stammerziehung mit Drahtanlagen. Er löste im Laufe des 20. Jahrhunderts die in Württemberg übliche Kopferziehung mit Pfählen ab. Vor der Mechanisierung und Motorisierung war der Weinbau – wie die folgende Beschreibung zeigt – recht beschwerlich und vor allem sehr zeitaufwendig.

Den Brackenheimer Bau- und Taxordnungen des 17. und 18. Jahrhunderts ist zu entnehmen, welche Bauarten (Arbeitsgänge) damals in den Weinbergen verrichtet und vergütet wurden. Die Bauordnung von 1609 führt als Erstes das Raw schneiden an. Nach der Weinlese im Herbst hat man die Reben getrochen, wie man das Niederlegen der Reben nannte, um sie vor der Winterkälte zu schützen. Beim Trechen wurden die Stöcke rau geschnitten, d.h. die den Sommer hindurch gewachsenen Triebe bis auf das Tragholz ausgeschnitten. Dessen endgültiger Schnitt, durch den der Aufbau des Rebstocks bestimmt wurde, erfolgte dann im nächsten Frühjahr. Über die Schnitttechnik im Zabergäu um 1800 berichtet der Kürnbacher Pfarrer Kalb (1746–1810), dass man hier pro Stock nur zwei Schenkel und ein Bodenholz (Zapfen) hinschneide. Jeder Schenkel habe nur eine Rute und höchstens noch einen Beizapfen, was mit den teuren Pfählen zusammenhänge. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts wurde jedoch immer mehr Tragholz angeschnitten: Bei gleichzeitiger Vergrößerung des Stockabstandes bekam nun ein Rebstock drei bis vier Rebschenkel mit je einer Rute und möglichst einem Beizapfen.

Im nächsten Arbeitsgang, dem Biegen, wurden die Tragruten kreisförmig gebogen und mit Weiden am älteren Rebholz befestigt. Die erste tiefe Bodenbearbeitung war das Hacken, um den Boden aufzulockern und das Unkraut fernzuhalten. Nach dem Hacken folgte das Pfählen – damit ist das Einrammen der Stützpfähle in den Boden gemeint. An die Pfähle band man nun die Bögen, die gebogenen Tragruten, mit Stroh an, ein Arbeitsgang, den man in Brackenheim als Anhenken bezeichnete. Beim sommerlichen Felgen wurden der Boden aufgelockert und Unkräuter niedergehalten. Das erste Felgen, bei dem die vom Hacken herumliegenden Erdschollen verkleinert werden mussten, hieß Raufelgen.

Bei den sich anschließenden Laubarbeiten steuerte der Weingärtner den Wuchs des Weinstocks. Das Zwicken war die erste dieser Arbeiten. Dabei wurden die Triebe bestimmt, die im nächsten Jahr als Tragruten und Zapfen dienten; die überflüssigen Triebe wurden abgezwickt. Später mussten die Sommertriebe an den Pfahl gebunden werden. Dieses Binden war zweimalig zu verrichten. Dazwischen erfolgte das zweite Felgen. Mit dem dritten Felgen war die Bodenarbeit abgeschlossen.

Die letzte Arbeit vor der Weinlese war das Verhauen. Dabei hat man die Triebspitzen über den Pfählen abgeschnitten. In Brackenheim war das Verhauen eine Extraordinari-Arbeit. Bereits die Bau- und Taxordnung von 1609 vermerkt, dass es dem Bauherrn freistehe, ob er seinen Weinberg selbst verhauen möchte oder nicht. Ließ er ihn durch seinen Baumann verhauen, so hatte er ihn nicht zu entlohnen, wenn dieser das Laub behielt.

Für das Rebenlesen, das Einsammeln von abgeschnittenem Rebholz, galt nach der 1609er-Ordnung folgende Regelung: Das Auflesen der Reben wurde dem Baumann mit 10 Kreuzer pro Morgen (= 31,5 ar) vergütet. Ihm standen dann die gelesenen Reben zu, wenn er selbst die Biegweiden und Schäub (Bindestroh) zur Verfügung stellte.

War im Herbst das gesamte Weinbergfeld abgelesen, konnte mit dem Auftrennen der an den Pfahl gebundenen Bögen sowie Ruten begonnen und die Pfähle ausgezogen werden. Beim Ausziehen wurden die Pfähle nachgespitzt und zur besseren Verwahrung zu Pfahlhaufen zusammengelegt. Den Weingärtnern, die im Bestand bauten, hat man in Brackenheim vorgeschrieben, nicht mehr als 16 Pfahlhaufen pro Morgen zu machen. Der letzte Arbeitsgang im Jahreslauf war das schon oben erwähnte Trechen, das Niederlegen der Reben. In Brackenheim wurde das Trechen gemeinhin mit Erde ausgeführt: Mit der Trechhaue, einer besonders breiten Haue, wurde die Erde über die am Boden liegenden Reben gezogen.

Im Bestandbau (einer Beschäftigungsform, bei der der Weinberg den Sommer über um einen bestimmten Lohn gebaut wurde) war gemäß der Brackenheimer Ordnung den Bauleuten vorgeschrieben, die Sommerarbeiten in den Weinbergen bis auf Egidii (1. September) abzuschließen. Danach durften sie die Weinberge nicht mehr betreten. Alle bis dahin unterlassenen Arbeiten wurden ihnen vom Baulohn abgezogen.

Der Weinbau unterstand – wie der gesamte Feldbau – obrigkeitlicher Kontrolle. Nach der Landesordnung aus dem Jahre 1621 waren in den Städten und Dörfern Württembergs sogenannte Feldsteußler zu bestimmen, die die Aufsicht über den Acker- und Weingartbau zu führen hatten. Zur Kontrolle der Bauleute sowie der herrschaftlichen Güter und jener der Witwen und Waisen, sollten sie zu allen Orten und Arten durch das Baufeld gehen und da, wo die eine oder andere Bauart unterlassen worden war, den Unbau bestrafen und dafür Sorge tragen, dass die unterlassenen Arbeiten nachgeholt werden.

Schon die Brackenheimer Bau- und Taxordnung von 1609 befahl den Feldsteußlern, nicht nur auf die Weingärten der Waisen, sondern die aller Bürger gute Achtung zu haben. Auch der Feldschütz hatte nach dieser Ordnung über den Bau der Weinberge Aufsicht zu führen. Jeder Bürger war verpflichtet, den Feldsteußlern die Bauleute anzuzeigen, die ihre Güter nicht richtig gebaut hatten. Aus den in den Bürgermeisterrechnungen verzeichneten Feldsteußlerkosten geht jedoch hervor, dass die Feldsteußler in Brackenheim nicht alle Bauarten kontrollierten. So überprüften sie beispielsweise im Jahre 1794 am 25. April das Hacken sowie am 15. Juli das Felgen und Binden und gingen am 15. September noch einmal in die Weinberge, um nachzusehen, ob alles der Ordnung nach gerichtet war.

Quelle: Isolde A. Döbele-Carlesso: Weinbau und Weinhandel in Württemberg in der frühen Neuzeit am Beispiel von Stadt und Amt Brackenheim, Brackenheim 1999.

Aus der Geschichte des Brackenheimer Weinbaus: Römischer Weinbau im Zabergäu?

Haben die Römer den Weinbau in unserer Gegend eingeführt? Darüber kann nur spekuliert werden, denn auch die in den letzten Jahrzehnten stattgefundenen zahlreichen archäologischen Ausgrabungen konnten bislang keinerlei Beweise dafür liefern. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts jedenfalls war man trotz mangelnder Belege vom Weinbau der Römer im Zabergäu fest überzeugt. In einem Vortrag, gehalten auf der Herbstversammlung des Württembergischen Weinbauvereins in Brackenheim im August 1909, führt Stadtpfleger und Weingutsbesitzer August Wendel aus: „Die Blütezeit Süddeutschlands unter der Römerherrschaft fällt etwa in die Zeit von der Mitte des zweiten bis gegen Ende des dritten Jahrhunderts, und es kann als sicher angenommen werden, daß um diese Zeit die ersten Anfänge des Weinbaus im Neckartal und unserer Gegend fallen. Die gallischen und römischen Kolonisten waren an den Wein gewöhnt, kannten dessen Bau und fanden bald hiefür geeignete sonnige Abhänge. Der Wein wurde ein gesuchter Tauschartikel; die alten Deutschen gewöhnten sich an den Weingenuß, und bald war er ihr Lieblingsgetränk.“

Diese Überzeugung hatte damals sogar den Weg in die Vereinigten Staaten gefunden: Am 19. Juni 1901 erschien im New Yorker Schwäbischen Wochenblatt das scherzhafte Gedicht „Cajus und Sabina oder die Einführung des Weinbaus in Niederschwaben. Eine zabergäuische Liebesgeschichte aus der Römerzeit“. Verfasser ist der Erligheimer Lehrer, Literatur- und Lokalhistoriker sowie Mitbegründer des Zabergäuvereins August Holder, der seine 126 Vierzeiler im September jenes Jahres auch als „Herbstgruß“ veröffentlichte. Darin wendet er sich in einem Vorwort an den Leser: „Was in nachfolgenden Blättern erzählt ist, möge als harmloser Scherz aufgefaßt werden (…). Gleichwohl hat die Erzählung ihren wahren Hintergrund: der Weinbau des Zabergäus gehört zu den ältesten derartigen Versuchen im Unterland; die 1885 bloßgelegten Reste des römischen Bauernhofs bei Meimsheim erregten damals die Aufmerksamkeit der Kenner in nicht geringem Maße. (…) Gerne entsprach ich deshalb dem mehrfach geäußerten Wunsch, die lustige Geschichte, welche da und dort schon durch Vortrag bekannt geworden war, der Öffentlichkeit zu übergeben. Der Geist unseres Cajus, des Urbans vom Zabergäu, sei hiemit freundlich begrüßt: In dem Glücksherbst neunzehnhundert / Schaut sich alles hochverwundert / Nach des Segens Stifter um; / Cajus, Cajus, kühnentdeckter, / Nie geborner, doch erweckter – / Dich preist heut Dein Publikum! Im Jahr der Entstehung 1900.“

Es waren also die 1885 entdeckten Baureste des römischen Gutshofes im Kaywald, die Holder zur Erfindung seines römischen Weingärtners inspirierten: Cajus, der sich in Meimsheim niederlässt, dort den ersten Weinberg anlegt und die Alemannin Sabina ehelicht. Cajus erweist sich als generöser „vinitor“, der den Alemannen nicht nur die Arbeiten im Weinberg, sondern auch die Weinherstellung vermittelt: „Er versäumte manche Stunde / Wenn er machte seine Runde / Um zu lehren voller Gunst / Wein zu machen ohne Kunst.“

August Holder lässt sein Gedicht mit den folgenden Versen enden: „Cajus, lebst nur im Gedichte, / Dennoch lehrst du auch Geschichte: / Deiner Volksgenossen Spur / Ist die schwäb’sche Frohnatur; / Denn wir wissen, Deine Reben / Bluteten ein neues Leben / In das Schwabenherz hinein, / Das nun schätzet Deinen Wein. / Zugezog’ner Zabergäuer, / Weinbauvater, Herzerfreuer, / Teurer Cajus Rusticus: / Hier noch einen Dankeskuß!“

Doch erst in karolingischer Zeit ist der Weinbau in unserer Gegend historisch belegt. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 793. Damals vermachte die Nonne Hilteburc dem Kloster Lorsch an der Bergstraße eine umfangreiche Stiftung, zu der auch zwei Weinberge am Michaelsberg und ein weiterer Weinberg in Bönnigheim gehörten.

Interview mit dem Weingut Anita Landesvatter

Bitte stellen Sie einleitend sich und Ihr Weingut kurz vor.

Mein Name ist Anita Landesvatter, ich bin 48 Jahre jung, verheiratet mit meinem Mann Thomas und unsere beiden Kinder Marco und Marie machen die Familie komplett. Ich bin staatl. geprüfte Technikerin für Weinbau und Kellerwirtschaft.
Unser Weingut wurde im Jahr 2000 gegründet. Derzeit bewirtschaften wir ca. 6 Hektar Rebfläche mit einem weitreichenden Rebsortenspiegel mit heimischen und internationalen Rebsorten.

Wie sind Sie zum Weinbau gekommen?

Weinbau wird seit mehreren Generationen in der Familie betrieben. Ich bin bereits im Windelalter mit und im Weinberg groß geworden. Sehr früh hat mich der Weinbau interessiert und dann ist es nicht weit, in diesem Bereich eine Ausbildung zur Winzerin zu machen. Neben verschiedenen Weinbaubetrieben und der Ausbildung zur Technikerin für Weinbau und Kellerwirtschaft in Weinsberg, hatte ich die Möglichkeit, einen einjährigen Auslandsaufenthalt in den USA – natürlich in Kalifornien – wahrzunehmen. Dies war eine abwechslungsreiche und intensive Zeit auf verschiedenen Weingütern. Dies ermöglichte mir einen gewissen Blick über den „Tellerrand“.

Was macht Ihnen an Ihrem Job besonders viel Freude? Was treibt Sie an?

Die Vielfältigkeit die ich als Winzerin tagtäglich erleben kann, bereitet mir große Freude! Jeder Tag ist anders. Sei es im Weinberg, im Keller beim Ausbau der Weine oder im Verkauf. Mein Ziel ist und bleibt es, tolle Weine auszubauen, die unseren Weinfreunden ein Lächeln ins Gesicht zaubern, wenn sie diese genießen. Jedes Jahr ein wenig besser zu werden, das spornt mich an. Ich betreibe meine Arbeit mit großer Leidenschaft! Wein ist Inspiration! Ich denke, dass schmeckt man auch bei unseren Weinen.

Wie sieht ein typischer Tag auf Ihrem Weingut aus?

Das ist sehr unterschiedlich, je nachdem was es zu erledigen gilt. Einmal die Arbeiten im Außenbetrieb, in den Weinbergen oder dem Pflanzenschutz. Dann die Arbeiten im Weinkeller zum Ausbau der Weine oder verschiedene Abfüllungen planen und durchzuführen. Dann natürlich nicht zu vergessen die Weinauslieferungen und der Weinverkauf ab Hof. Alles in allem ist jeder Tag neu zu planen und zu organisieren. Und die Familie darf auch nicht zu kurz kommen! So ist der Tag gut ausgefüllt.

Was zeichnet Ihr Weingut besonders aus?
Wir sind sehr familiär und bodenständig aufgestellt. Weltoffen, ehrlich und freundlich gegenüber unseren Kundinnen und Kunden aufzutreten, ist gelebte Nähe und unser Markenzeichen. Schauen Sie doch mal vorbei. Wir freuen uns auf Sie!

Wie viele verschiedene Weine produzieren Sie?
Wir haben ca. 30 verschiedene Weine, Secco und Sekte bei uns im Verkauf. Also eine große Auswahl! Für jede Richtung ist etwas dabei. Trocken, mit Restsüße oder auch edelsüße Spezialitäten. Auch für geistige Tropfen oder feine Liköre haben ihren Platz. Probieren lohnt sich!

Wie viele Flaschen füllen Sie im Jahr ab?
Wir füllen ca. 35.000 bis 40.000 Flaschen im Jahr ab. Wir gehören da zu den kleineren Weingütern in Brackenheim.

Was weiß fast niemand über Ihr Weingut?
Dass wir gerade ein brandneues Produkt auf den Markt gebracht haben: Unser „45er“! Ein Rotweincuvée in schwäbischen Eichenfässern gereift, verfeinert mit unserem eigenen, über 15 Jahre alten Weinbrand. Ein Genuss! Aber: ein ganz besonderes Kaliber! „G´fährlich gut“ halt!

Gibt es eine besondere Anekdote zu Ihrem Weingut?
Das SWR-Fernsehen war vor einiger Zeit zu Besuch bei uns im Weingut. Die allseits bekannte Moderatorin Sonja Faber-Schrecklein war mit uns in den Weinbergen. Dort half sie uns beim Biegen der Lemberger-Reben. Tja, was soll ich sagen, sie hat noch Luft nach oben als Biegehelferin! Die ersten beiden Ruten hat sie ein wenig überstrapaziert… und diese sind leider abgebrochen. Nach einer „Schrecklein-Sekunde“ ihr Ausspruch: „Oh! Scho gsoffä!„ Was haben wir gelacht!

Welchen Wein trinken Sie privat am liebsten? Von Ihrem Weingut und einem anderen.
Hmmh, das ist gar nicht so einfach zu beantworten. Je nach Stimmung, einmal trocken, oder mit Restsüße. Zu jedem Anlass finden wir Dank der großen Auswahl immer den passenden Wein oder Sekt.
Welchen Wein ich von einem anderen Betrieb am liebsten trinke? Das ist schwer, denn ich habe bei allen anderen Brackenheimer Erzeugern, egal ob Weingut oder Genossenschaft, tolle Weine oder Sekte probiert.
Einer ist mir jedoch besonders in Erinnerung geblieben: Der 2017er Lemberger Divinus Reserve vom Weinkonvent Dürrenzimmern. Chapeau, lieber Kurt! Toller Wein!

Worauf sind Sie besonders stolz?
Auf meine Familie! Und auch auf unsere tollen Auszeichnungen für unser doch eher kleines Weingut. Hier eine Auswahl:

  • zweimaliger Staatsehrenpreisträger und Ehrenpreisträger der württembergischen Landesweinprämierung
  • Aufnahme in den Gault & Millau gleich mit Einstieg in die Zwei Trauben Liga!
  • Aufnahme in die Weinführer von Eichelmann und Falstaff
  • erster Platz mit unserem 2018er Weißburgunder Sekt trocken beim der bundesweiten Sektverkostung 2021 des Gault & Millau in der Kategorie Sekte trocken, sowie der 2017er Lemberger-Weißherbst Sekt trocken unter die Top 10 der 17er Rosésekte
  • unter den Top 3 der besten Rotweine bis 10 € im aktuellen Gault & Millau Weinführer platzierte sich unser „44er“ Rotwein-Cuvée trocken.

Was sind Ihre Wünsche für die Zukunft?
Vor allem Gesundheit und Zufriedenheit, verbunden mit der Hoffnung weiterhin tolle, interessante Weine ausbauen zu können.

Kontakt zum Weingut
Weingut Anita Landesvatter
Schloßstraße 15, 74336 Brackenheim
07135 93 18 781
E-Mail
Hompepage
Öffnungszeiten: Freitag von 14.00 Uhr - 18.00 Uhr und Samstag von 11.00 Uhr - 16.00 Uhr oder jederzeit gerne nach Anmeldung

Interview mit dem Weingut des Grafen Neipperg

Den Anfang macht in dieser Ausgabe das Weingut des Grafen Neipperg. Von dem im Jahr 1120 erstmals bezeugten Bertilo von Schwaigern leitet sich das seit 1241 nach der Burg Neipperg benannte fränkisch-schwäbische Geschlecht Neipperg her, das 1302 die Herrschaft Schwaigern im Kraichgau erwarb. 1726 zu Reichsgrafen erhoben, gelangten sie 1766 in den Hochadel. Die Familie lebt auch heute noch im Schwaigerner Schloss und betreibt Land- und Forstwirtschaft. Geführt wird das Weingut in Schwaigern und Neipperg von Karl Eugen Graf von Neipperg und seinem Sohn Erbgraf Philip von Neipperg.

Bitte stellen Sie einleitend sich und Ihr Weingut kurz vor
Karl Eugen Graf von Neipperg: Unsere Familie ist bereits in der 28. Generation hier in der Region verwurzelt. Unser Weingut kann heute auf rund 800 Jahre Weinbaugeschichte zurückblicken. Sie sehen also: Wein ist schon seit langer Zeit ein Stück weit unser Lebenselexier.
Erbgraf Philipp von Neipperg: Ich bin nun seit etwa anderthalb Jahren wieder zurück in der Region, nachdem ich etwas die Welt entdecken und mich anderen Themen widmen konnte. Nach dieser spannenden Zeit im Ausland war es für mich schön, wieder dahin zurückzukommen, wo mein Herz zu Hause ist - in meinen elterlichen Betrieb, um diesen in der dann schon 29. Generation weiterzuführen.

Wie sind Sie zum Weinbau gekommen?
Karl Eugen Graf von Neipperg: Das liegt natürlich bei uns in der Familie. Man darf sich dabei aber nicht vorstellen, dass unsere Familie schon immer ein richtiges Weingut bewirtschaftet hatte. Man hatte früher zwar Weinberge. Aber wahrscheinlich war das Thema Weinbau früher nicht allzu hoch in der Familie angesiedelt. Man hatte damals den Wein zwar gerne getrunken, sich im Alltag aber stärker mit anderen Themen beschäftigt.
Erst etwa im 18./19. Jahrhundert merkte man, dass der Wein bei uns zunehmend zum Thema wurde – damals verabschiedeten meine Vorfahren auch erstmals eine Herbstordnung, in der stand, wie und was gelesen werden soll. Das allererste Thema war damals, dass man rote und weiße Trauben voneinander trennt. Erst danach hat man sich ganz langsam an die Besonderheiten der einzelnen Sorten herangetastet. Für uns im Betrieb ist der Muskateller die älteste Sorte – die Urkundenlage geht hier bis ins 17. Jahrhundert zurück.
Heute liegt uns natürlich der Lemberger besonders am Herzen, er macht jetzt rund 35 Prozent unserer Weinbaufläche aus. Er tauchte erstmals zu Beginn des 19. Jahrhunderts bei uns auf. Zwei Vettern spielten dabei damals übrigens eine wichtige Rolle. Der eine hatte den Lemberger, damals unter der Bezeichnung „Blaufränkischer“, nach Ungarn gebracht, der andere brachte ihn in unserer Region.

Was macht Ihnen an Ihrem Job besonders viel Freude? Was treibt Sie an?
Karl Eugen Graf von Neipperg: Ich finde es extrem spannend, mit der Natur zu arbeiten. Da lernt man auch, demütig zu sein, da man nicht alles regeln kann, weil man einfach von vielen Dingen, zum Beispiel von der Witterung und den Böden, abhängig ist. Man kann im Weinbau zwar auf der eigenen Erfahrung aufbauen, aber es gibt immer neue Herausforderungen, denn in vielen Bereichen ähnelt kein Jahr dem anderen. Außerdem hat das Produkt Wein viel mit Kommunikation zu tun. Wein ohne den Kontakt zum Menschen gibt es nicht. Gerade wenn man sich auch selbst um die Vermarktung kümmert, dann geht das nur mit dem dauernden Kontakt und dem gegenseitigen Austausch.
Erbgraf Philipp von Neipperg: Dazu kommt für mich, dass es einfach toll ist, Leuten eine Freude zu machen. Es tut einfach gut, etwas zu tun, was Menschen gefällt. Dabei treibt es mich schon an, dass unsere Produkte Menschen zusammenbringen können.

Wie sieht ein typischer Tag auf Ihrem Weingut aus?
Erbgraf Philipp von Neipperg: Für mich gibt es gar keinen typischen Tag, wir leben mit der Natur sowie mit den Jahreszeiten und deshalb gibt es immer einen neuen Tätigkeitsbereich. Deshalb liegt mein Schwerpunkt manchmal auf den Weinbergen, manchmal liegt der Fokus mehr auf dem Keller, wo man sehr viel probiert und manchmal sind wir auch unterwegs, um unseren Wein zu vermarkten. Dieser Abwechslungsreichtum ist ja auch das Schöne an dem Ganzen. Es ist immer Bewegung drin, es gibt immer etwas Neues.

Was zeichnet Ihr Weingut besonders aus?
Erbgraf Philipp von Neipperg: Natürlich zum einen die reiche Historie, aber natürlich auch unser Qualitätsanspruch. Was uns als Weingut außerdem ausmacht, ist unser sehr stabiler Mitarbeiterstamm. Wir haben da eine sehr gute Mischung aus „erfahrenen Hasen“ und „jungen Wilden“. So sind wir in unserer Qualität immer verlässlich, haben aber auch immer wieder neue Ideen sowie Impulse und können somit immer „am Ball“ und somit am Puls der Zeit bleiben.
Karl Eugen Graf von Neipperg: Unser Betrieb beschäftigt sich ja nicht „nur“ mit dem Weinbau, sondern auch mit klassischer Landwirtschaft, mit Forstwirtschaft und verschiedenen Dienstleistungen. Insgesamt arbeiten bei uns etwas über 20 Menschen.

Wie viele verschiedene Weine produzieren Sie?
Karl Eugen Graf von Neipperg: Man denkt es gar nicht, aber es sind dann eben doch 15 verschiedene Rebsorten bei uns. Bei vielen Weinen haben wir noch unterschiedliche Qualitätsstufen im Sortiment. Wenn man alles zusammenrechnet, dann kommen wir locker auf 25 verschiedene Produkte. Eigentlich wollen wir unser Sortiment immer wieder ein bisschen verschlanken, dann kommen aber immer wieder neue Ideen und neue Produkte hinzu. So kann es dann passieren, dass wir auf der einen Seite etwas einstampfen, auf der anderen Seite aber zwei neue Produkte entstehen (lacht). Davon lebt aber auch alles.

Wie viele Flaschen füllen Sie im Jahr ab?
Karl Eugen Graf von Neipperg: Über den Daumen gepeilt, füllen wir jedes Jahr so um die 240.000 Flaschen ab.

Was weiß fast niemand über Ihr Weingut?
Karl Eugen Graf von Neipperg: Mein größtes Geheimnis ist es, welchen Wein ich am liebsten trinke. Das verrate ich aber auch heute nicht (lacht). Das wäre so, wie wenn man gefragt wird, welches der eigenen Kinder einem das liebste wäre. Da können sie auch keine richtige Antwort geben. Das kann man schon ein bisschen vergleichen, denn man begleitet einen Wein von der Blüte bis zur Lese, dann durch den Keller bis in die Flasche. Mitunter liegen einem dann die Weine, die ein bisschen Probleme gemacht haben, besonders am Herzen. Ich kann Ihnen aber auch nicht sagen, welchen Wein ich heute abend trinken werde. Das hängt gar nicht so sehr davon ab, was es heute zum Abendessen geben wird, sondern noch viel mehr von meiner Stimmung.

Gibt es eine besondere Anekdote zu Ihrem Weingut?
Karl Eugen Graf von Neipperg: Es gibt tatsächlich eine geschichtliche Sache mit dem Muskateller, die ich hochspannend finde: Um das Jahr 1750 hatten wir hier in der Region die Situation, dass das Haus Württemberg sehr vereinnahmend war und die kleinen Herrschaften, liebevoll ausgedrückt, gerne unter ihre Fittiche nehmen wollte. In dieser Auseinandersetzung hat uns das Haus Württemberg verboten, unsere Weine in die württembergischen Gebiete einzuführen. Das war damals schon ein starker Angriff auf die wirtschaftliche Existenz unseres Weinguts und damit auch unserer Familie. Um dieser Blockade auszuweichen, hat man in Klingenberg, das ist auch ein alter neippergischer Ort, die Weine von hier auf die Treidel-Schiffe verladen, nach Wasserstand am Neckar hochgetreidelt, den Wein dann mit Ochsenkarren über die Alb und später auf der Ulmer Schachtel donauabwärts bis nach Wien transportiert. Dort hatte man die Keller des Lothringschen Palais gemietet – und von dort hat man dann für knapp 20 Jahre den Großteil der hiesigen Weine vermarktet. Damit wurden damals unsere Weine aus der Not heraus ausgerechnet in einer Region vermarktet, die ja auch nicht gerade wenig Wein um sich hat. Das wurde dann abrupt beendet, als, etwa um das Jahr 1770 herum, Aussaatgetreide im Land fehlte. Wir hatten welches, auch wenn uns nach der Archivlage nicht ganz klar wird, warum dies so war. Damals kam dann das Haus Württemberg auf uns mit der Frage zu, ob wir nicht Getreide liefern können. Dann wurde der so genannte „Große Vertrag“ abgeschlossen. Dort war geregelt, dass die Neippergschen Weine auf immer und ewig zollfrei in württembergische Gebiete eingeführt werden dürfen. Im Gegenzug haben wir uns verpflichtet, auch Getreide zu liefern, wahrscheinlich zu einem ordentlichen Preis (lacht).

Welchen Wein trinken Sie privat am liebsten - von Ihrem Weingut und einem anderen?
Erbgraf Philipp von Neipperg: Ich habe gar keine richtigen Favoriten, ich genieße die Vielfalt, die es hier gibt. Ich finde diese ganze Bandbreite wahnsinnig spannend.
Karl Eugen Graf von Neipperg: Wir probieren auch sehr viel rechts und links. Beim Thema Lemberger beispielsweise schauen wir schon auch beispielsweise, was die Österreicher oder die Ungarn machen. Das ist durchaus sehr spannend, wie sich andere Regionen mit dem Thema auseinandersetzen. In jedem Fall gilt: „Durch viel trinken, kann man viel lernen.“ (lacht). Aber Scherz beiseite: Es geht einfach darum, nicht im eigenen Saft kaputt zu gehen, sondern auch über den Tellerrand zu blicken. Auf dem Weinmarkt heute geht es zudem unter anderem um Trends. Diese muss man auch erkennen – und das gelingt nur, wenn man die Marktführer auch im Auge hat. Dabei muss man auch ein Gespür entwickeln, was nur ein Mode-Gag ist und was auch langfristig Bestand haben könnte.

Worauf sind Sie besonders stolz?
Karl Eugen Graf von Neipperg: Stolz ist ein saublöder Begriff. Aber was uns aus meiner Sicht ganz gut gelungen ist: Vor 25 Jahren wurden wir als Betrieb zwar wahrgenommen, waren aber bei weitem noch nicht so anerkannt, wie wir es heute sind. In dieser Phase hatten wir uns im Betrieb zusammengesetzt und uns gefragt: „Wie finden wir den Weg an die Spitze?“. Das war unser Ziel, wir wollten zu den Spitzenweingütern in Deutschland gehören und zwar mit dem bestehenden Mitarbeiterstamm. Das uns dies heute so gelungen ist, das ist etwas, das mich schon bewegt und auch bestätigt in unserer damaligen Vorgehensweise.
Erbgraf Philipp von Neipperg: Das ist auch eine Form der Nachhaltigkeit. Dazu gehört in unseren Augen nicht nur der ökologische Aspekt, sondern es ist genauso wichtig, gemeinsam mit dem Personal unseres Betriebs die Dinge vorantreiben und zu entwickeln.
Karl Eugen Graf von Neipperg: Dabei kommt uns auch unsere Verbundenheit zur Region zu Gute. Uns liegt mehr am Herzen wie der „schnöde Mammon“, sondern wir wollen auch Verantwortung für unsere Region, für unsere Natur, für unsere Mitarbeiter übernehmen.
Erbgraf Philipp von Neipperg: Nur ein Beispiel: Egal, wie unsere wirtschaftliche Situation war, wir haben immer ausgebildet – weil wir auch Verantwortung für die Zukunft unserer Branche übernehmen wollen.

Was sind Ihre Wünsche für die Zukunft?
Karl Eugen Graf von Neipperg: Mein größter Wunsch ist es natürlich, dass unser Weg auch in den nächsten Generationen weiterbeschritten werden kann. Mit ein bisschen Gottvertrauen müsste das doch funktionieren.

Kontakt zum Weingut
Gräfl. Neippergsche Hauptverwaltung
Schloßstraße 12
74193 Schwaigern/Württ.,Schloss
Telefonnummer: 07138 941400
E-Mail
 

Aus der Geschichte des Brackenheimer Weinbaus - Alte Rebsorten

Weinberge im Zabergäu sind schon für das frühe Mittelalter urkundlich belegt. Dagegen werden in schriftlichen Quellen die hier angepflanzten Rebsorten erst im 16. Jahrhundert namentlich aufgeführt: Es sind dies Muskateller, Traminer und Elben.

Der Weintrinker des 16. Jahrhunderts begeisterte sich für den Muskatellerwein, wie einem Trinklied jener Zeit, dem sogenannten Muskatellerlied, zu entnehmen ist:

Mein treuester Bruder und Gespan
Liegt tief in einem Keller

Er hat ein hölzern Röcklein an
Und heisst der Muskateller.

Im altwürttembergischen Brackenheim hat man diese Sorte, die im Lande zu den beliebtesten und wertvollsten Traubensorten gehörte, als Hauptsorte angebaut. Am württembergischen Hofe wurde der Brackenheimer Muskatellerwein sehr geschätzt. So war Herzog Christoph 1566 darauf bedacht, dass ihm der Neubrackenheimer Muskateller fürderlich auch zugebracht werde, den er übrigens auch Kaiser Maximilian II. verehrte. In der Brackenheimer Herbstordnung von 1615 ist die Muskatellertraube ausdrücklich genannt.

Weit über das Zabergäu hinaus war das dem Deutschen Orden zugehörige Stockheim für seine Traminerreben bekannt. Im Lagerbuch des Klosters Kaisheim von 1534 wird in der Anleitung zum Bau des dem Kloster zugehörigen Burgweingarten in Esslingen ausdrücklich auf die Traminerstöcke in Stockheim verwiesen: Item zu Stockach bey Brackhenach im Zabergai werden die Traminer steckh erforschet. Als Kaiser Karl V. ebenfalls 1534 auf der Deutschordensburg Schloss Horneck weilte, bekam er Traminer vom Stocksberg verehrt. In Stockheim war der Traminer eindeutig die Hauptsorte, denn damals musste die auf den Stockheimer Weingärten lastende Weinabgabe, der sogenannte Bodenwein in Höhe von 34 Eimer, als reiner Traminerwein entrichtet werden. Auf Dürrenzimmerner Markung heißt eine Weinlage „Traminer“, was ebenfalls auf einen bevorzugten Tramineranbau schließen lässt.

Muskateller und Traminer wuchsen in höheren Lagen und gaben wenig, aber dafür einen hervorragenden Wein. Von den Muskatellersorten war der schwarze besonders blüteempfindlich, der rote war für das Faulen sehr anfällig. Er galt aber als reicher tragend als der weiße Muskateller. Mit anderen Traubensorten vermischt und eng gestockt, gedieh der Muskateller nicht und bildete nur wenig Trauben aus. Sie Sorte sollte deshalb frei stehen und weit gestockt sein. Der Traminer galt als mittelmäßig fruchtbar, hingegen resistent in der Blüte. Nur durch gutes Düngen verhinderte man, dass Traminerstöcke zu schnell alterten und nur schwaches Holz trieben.

Mit den edlen Muskateller- und Traminerweinen konnte im Zabergäu der aus den Elben gewonnene Wein nicht konkurrieren. Die Elbe, auch Elbling genannt, eine der meistverbreiteten und ältesten Sorten im deutschen Südwesten, war eine Rebe minderer Qualität, die im Gegensatz zu den Muskateller- und Traminerreben reichlich bis sehr viel Most lieferte. Bezeichnend ist in diesem Zusammenhang die Erklärung des Güglinger Magistrats aus dem Jahre 1567 hinsichtlich des geringen Weinzehntertrags auf ihrer Markung: Ihre Vorfahren hätten die Weinberge mit Grab- und Elbenstöcken eingepflanzt. Diese lieferten zwar viel Wein, der jedoch im Zabergäu nicht verkäuflich gewesen sei. Deshalb hätte man nach vorangegangenem Hagel und Fehljahren daran gedacht, die Elblinge zu entfernen und an ihrer Stelle gute Traminer und Muskateller zu pflanzen.

Seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts finden sich in den Quellen keine Angaben mehr zu den hier angebauten Rebsorten; es ist nur noch von „Weinwachs“, „Gewächs“ und „Gattungen“ die Rede. Im Laufe des 18. Jahrhunderts kam es jedoch zu einem einschneidenden Wandel im Rebsatz. Ungünstige Witterungsverhältnisse, die zu häufigen Ertragsausfällen führten, die relativ hohe Besteuerung der Weinberge und niedere Weinpreise zwangen die Weingärtner dazu, ertragreichere Sorten zu wählen, um Weinfehljahre wirtschaftlich besser überstehen zu können. Um das Risiko so gering wie möglich zu halten, baute man eine Sorte wie den Sylvaner bevorzugt an. Der Sylvaner ließ sich in beinahe jedem Boden anpflanzen, hatte fast jedes Jahr Trauben und erfror auch im Frühjahr nicht zu stark, weil er besonders kleine Beiaugen hatte, die nach Frostschäden immer noch austreiben konnten. Diese Eigenschaften führten zu seiner Bezeichnung „Schuldenzahler“. Mischen mit Trollingern verbesserte die Lagerfähigkeit des Sylvanerweins. Das Brackenheimer Amtsgrundbuch von 1820 gibt als die am häufigsten vorkommenden Rebsorten den groß- und kleinbeerigen Trollinger, Elben (vorwiegend Weißelben) und Sylvaner an. Diese Sorten dominierten auch noch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Im Brackenheim des 20. Jahrhunderts sollte dann aber der Lemberger die Rolle spielen, die der Muskateller hier im 16. Jahrhundert innehatte.

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