Amtsblatt aktuell: Stadt Brackenheim

Seitenbereiche

Rathaus
Link zur GebärdenspracheLink zur leichten Sprache

Rathaus & Info

Hauptbereich

Veröffentlichung: 50/2025

Die Glocken der Kernstadt Brackenheim

In Brackenheim befinden sich sieben Kirchenglocken und zwei kommunale Glocken, die aus einem Zeitraum von acht Jahrhunderten stammen. Die mittelalterlichen Glocken sind die ältesten Objekte der Stadt, die bis heute noch in Gebrauch sind. Aufgrund ihres hohen Alters kann man hier tatsächlich von einem besonderen „Glockenschatz“ sprechen. Im Folgenden werden Ort, Geschichte und Bedeutung dieser neun Glocken näher beleuchtet.

Johanniskirche auf dem Friedhof: Die älteste Glocke befindet sich auf dem Turm der Johanniskirche, die ursprünglich die Pfarrkirche unserer Stadt war. Es handelt sich um eine schmucklose, nicht bezeichnete Glocke aus dem 13. Jahrhundert. Ihr Durchmesser am unteren Schlagrand beträgt 74 cm; sie wiegt 220 kg und hat die Tonhöhe: c’’. Wie die drei Glocken der Jakobus-Stadtkirche hat auch sie die Jahrhunderte ohne Schaden überstanden.
Evangelische Stadtkirche St. Jakobus: Regelrecht gebangt werden musste hingegen im Zweiten Weltkrieg um das Dreiergeläut, das sich aus den folgenden Glocken zusammensetzt:

Marienglocke: Die älteste Glocke auf dem Turm der Stadtkirche ist die Marienglocke (Durchmesser: 97 cm, Gewicht: 575 kg, Tonhöhe: as’). Diese Kreuz- und Schiedglocke ist eine Majuskelglocke und kann zeitlich in die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts datiert werden. Die lateinische Schulterinschrift in Großbuchstaben (sogenannten Majuskeln) lautet: „ME • RESONANTE • PIA POPVLI • MEMOR • ESTO • MARIA • THOMAS • ME • FECIT • TREV“, wobei erhabene Punkte als Worttrenner dienen. Im ersten Teil der Inschrift wird Maria als Fürbitterin für die Gläubigen aufgerufen: „Wenn ich fromm erklinge, sollst du deines Volkes gedenken, Maria.“ Dieser Spruch erscheint im letzten Drittel des 13. Jahrhunderts häufiger, so z.B. auf der Torglocke der Stiftskirche in Stuttgart, die 1285 gegossen wurde. Im zweiten Teil ist als Glockengießer Thomas genannt („Thomas me fecit“ – „Thomas hat mich gefertigt“.) „TREV“ kann als Abkürzung für Treveris = Trier gelesen werden. Vielleicht handelte es sich bei Thomas also um einen Wandergießer aus Trier.

Die Marienglocke der Jakobuskirche (Foto: Marie-Luise Kohler)

Evangelistenglocke: Bei der kleinsten Glocke, der Taufglocke, handelt es sich um eine Evangelistenglocke (Durchmesser: 73 cm, Gewicht: 242 kg, Tonhöhe: des’’). Sie ist nicht bezeichnet, ihre Entstehung wird in die Zeit um 1300 datiert. Die Schulterinschrift lautet: „LVCAS • MARCVS • MATHEVS • IOHANNES“ – es sind in Majuskeln die Namen der vier Evangelisten Lukas, Markus, Matthäus und Johannes. Sie wurden im Mittelalter als Bewahrer vor bösem Wetter angesehen.

Hosanna-Glocke: Die Betglocke ist die größte und trägt die Minuskel-Inschrift „osanna heis ich in unser fraven er levt ich bernhart lachaman gos mich ano dm 1497“. Wie wir der Inschrift entnehmen können, trägt die Glocke den Namen Hosanna und läutet zu Ehren Mariens („unserer Frau“). Gegossen wurde sie 1497 von dem Glockengießer Bernhart Lachaman dem Älteren (gest. 1517), der in Heilbronn eine florierende Werkstatt führte. Die Hosanna-Glocke hat einen Durchmesser von 120 cm, ein Gewicht von 1.028 kg und die Tonhöhe: f’. Der QR-Code führt zu den von Herrn Volker Carle aufgenommenen Videos der drei Glocken sowie des Dreiergeläuts der Jakobuskirche.

Zum Video „Glocken der Jakobuskirche“ (Volker Carle, Heilbronn)

Katholische Stadtpfarrkirche Christus König: In einem Schreiben des bischöflichen Ordinariats Rottenburg vom 9. September 1954 an das katholische Pfarramt Stockheim wird mitgeteilt, dass der neuen katholischen Kirche in Brackenheim zwei Glocken aus bischöflichem Besitz überlassen werden sollen – allerdings unter der Auflage, dass diese „nie ohne unsere Zustimmung veräußert und vor allem nicht eingeschmolzen werden“ dürfen. So konnte die Christus-König-Kirche am 17. November 1954 mit zwei Glocken geweiht werden, die ursprünglich aus Heilbronn und aus Bieringen a.d. Jagst stammten. Im Jahr 1982 erhielt die Kirche zudem eine dritte, gestiftete Glocke. Das Dreiergeläut besteht demnach aus:
Evangelistenglocke: Die größte Glocke – mit einem Durchmesser von 97 cm, einem Gewicht von 658 kg und der Tonhöhe g’ – befand sich in der Deutschordenskirche St. Peter und Paul in Heilbronn. Sie wurde 1721 von Johann Georg Rohr (1666–1722) gegossen, einem in Colmar geborenen Glockengießer, der seit 1698 das Heilbronner Bürgerrecht besaß. Entstanden ist sie im Zuge der barocken Umgestaltung des mittelalterlichen Kirchenbaus unter dem Deutschordenskomtur Georg Adolf Speth von Schülzburg (1662–1721). Diese sog. Rohr’sche Glocke ist reich verziert und trägt mehrere Inschriften. Die Schulterinschrift lautet: „Sub regimine gratiosi A Speth istas aedes occupavi.“ Auf der Flanke, dem schlankeren oberen Teil der Glocke, befinden sich vier Medaillons mit den sitzenden Evangelisten und ihren Symbolen sowie die beiden Sprüche: „Factus sum velut aes sonans. / I. Cor: 13. V. 1. Intellige clamorem meum. Psalm 5. V. 2.“ Hinzu kommt die Schlaginschrift: „Nocte dieque sono compello et sacra subire audior et rarus properat orat adit.“ (In deutscher Übersetzung: „Unter der Regierung des gnädigen A. Speth in Besitz genommen. Zu tönernem Erz bin ich geworden, 1. Korinther 13,1. Vernimm meinen Ruf, Psalm 5,2. Tönend ruf ich bei Tag und Nacht und lade zum Heiligen ein, aber nur spärlich eilt zum Gebet das Volk“.)
Josefsglocke: Die kleinste Glocke stammt vom Turm der Kirche St. Kilian in Bieringen a. d. Jagst, heute ein Ortsteil von Schöntal. Gegossen wurde sie 1892 in der Gießerei Konrad Zoller in Biberach; sie misst 76 cm im Durchmesser, wiegt 247 kg und hat die Tonhöhe c’’. Die lateinische Inschrift lautet in deutscher Übersetzung: „Dir, Joseph, singen die christlichen Chöre ohne Unterlass. Heiliger Joseph, Gemahl der Jungfrau Maria, bitte für uns.“
Franziskusglocke: Die mittlere Glocke stiftete der katholische Geistliche Dr. Franz Ott (1910–1998). Gefertigt hat sie am 5. März 1982 die Glockengießerei Gebrüder Bachert, Bad Friedrichshall. Sie besitzt einen Durchmesser von 85 cm, wiegt 342 kg und erklingt in der Tonhöhe b’’. Ihre Entstehung fiel in das 800. Geburtsjahr des heiligen Franziskus. Die Inschrift lautet: „HEILIGER FRANZ VON ASSISI, BITTE FÜR UNS“. Die feierliche Weihe der Glocke erfolgte am 18. April 1982.
Bei den beiden kommunalen Glocken handelt es sich um:

Rathausglocke: Im Glockenturm des in den 1770er-Jahren errichteten Rathauses hängt eine Glocke mit einer Höhe von 34,5 cm und einem Durchmesser von 42 cm. Ihrer Inschrift zufolge wurde sie 1660 von dem Glockengießer Michael Sigmund Arnold gefertigt, der zwischen 1655 und 1675 in Neuburg a. d. Donau tätig war. Ungeklärt bleibt, ob die Glocke den großen Stadtbrand von 1691 unbeschadet überstand oder ob sie anschließend als Ersatz für die untergegangene Vorgängerin erworben wurde.
Torhausglocke: Eine noch ältere städtische Glocke befindet sich im Glockenturm des Torhauses, dem ehemaligen Oberamtsgefängnis, das heute das Theodor-Heuss-Museum beherbergt. Ursprünglich hing sie im alten Obertorturm, der im Winter 1828/29 im Zuge der Niederlegung der Stadtmauer abgebrochen wurde. Die Glocke hat einen Durchmesser von 60 cm und eine Höhe von 45 cm. Ihre Schulter trägt die Inschrift: „hilf.got.lachaman.gos.mich.1523“. Es ist eine der letzten Glocken des Heilbronner Glockengießers Bernhart Lachaman des Jüngeren, der 1517 die Werkstatt des Vaters übernommen hatte und am 31. Januar 1523 verstarb. Möglicherweise handelt es sich bei dieser städtischen Glocke um die einstige Armesünderglocke, die bei Hinrichtungen geläutet wurde.

Infobereiche