Sven Plöger regt zum Nachdenken an
Meteorologe und TV-Wetterexperte Sven Plöger versteht es, das Publikum ohne moralische Keule für die Klimakrise zu sensibilisieren. Die Folgen des Klimawandels sind allen bekannt und wissenschaftlich gut erforscht. „Wir haben also kein Wissensproblem, wir haben ein Handlungsproblem“, bringt er es auf den Punkt.
Dass sein Vortrag im restlos ausverkauften Bürgerzentrum dennoch kein Abend voller Vorwürfe und Schwarzmalerei wurde, lag auch an der lebendigen Vortragsweise und einer gehörigen Prise Humor, mit der Sven Plöger seinen rund 90-minütigen Vortrag würzt.
Auf jeden Fall ist der NABU-Ortsgruppe Brackenheim unter der Federführung des Vorsitzenden Adolf Monninger und der Mithilfe zahlreiche Mitglieder, die diese Veranstaltung mit Unterstützung der Stadtverwaltung auf die Beine gestellt hat, mit diesem Abend ein echter Coup gelungen, der dem begeisterten Publikum einige Denkanstöße mit nach Hause gab. Brackenheim tut im Bereich Klimaschutz - oft auch in Zusammenarbeit mit dem NABU - einiges, beschäftigt einen Klimaschutzmanagers, unterstützt Photovoltaik- und Windkraft-Projekte und achtet auf die energetische Optimierung ihrer Liegenschaften, unterstreicht Bürgermeister Thomas Csaszar bei seiner Begrüßung. Doch dies reiche alleine nicht aus. "Denn Klimaschutz ist keine Aufgabe, die eine Kommune allein lösen kann. Klimaschutz ist eine Gemeinschaftsaufgabe", betont er.
Die zentrale Botschaft von Sven Plöger: Niemand kann sich zurücklehnen. „Manche Ältere meinen im Gespräch mit mir, sie könnten die Welt nicht alleine retten und sich nicht mehr umgewöhnen. Diesen Menschen sage ich immer: Schaut mal, ob ihr Kinder habt.“ Er regt an, den doch recht spröden Begriff der "Nachhaltigkeit" durch Enkelfähigkeit zu ersetzen. Dies mache greifbar, um was es eigentlich geht, nämlich die Erde auch für die nachfolgenden Generationen als einen lebenswerten Ort zu bewahren.
Anhand von Bildern und Daten zeigt der Meteorologe, wie dramatisch die Lage ist: Ein Wasserteilchen braucht bis zu 1000 Jahre, um die Weltmeere zu umrunden. Gleichzeitig verliert die Erde stündlich 29 Millionen Tonnen Eis – doppelt so viel, wie Forscher noch vor 20 Jahren prognostizierten.
Wer verstehen will, warum ein Grad Erwärmung so viel bewirkt, müsse wissenschaftlich denken. „Eine drei bis vier Grad wärmere Welt hat mit der heutigen nichts mehr zu tun. Als es drei bis vier Grad kälter war, lag New York unter hunderten Metern Eis.“
Trotz all dieser Fakten plädiert Plöger für Optimismus: „Technologische Umbrüche gab es immer – vom Segel- zum Dampfschiff, von der Kutsche zum Auto. Auch beim Klimaschutz wird der Wandel kommen.“ Doch Ausreden wie „Deutschland verursacht nur zwei Prozent der weltweiten Emissionen“ lässt er nicht gelten. Rechne man die Bevölkerungszahlen um, liege Deutschland mit China gleichauf – und mit Platz sieben weltweit seien 188 Länder in Sachen Treibhausgase besser als wir. Am Ende bleibt für Plöger eine klare Botschaft: „Der Planet braucht nicht uns. Wir brauchen ihn.“
