Stadt Brackenheim

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Brackenheim ist „Recyclingpapierfreundliche Kommune“

Urkunde Recyclingpapierfreundliche Kommune"

Am 20.07.2018 wurde die Stadt Brackenheim durch Staatssekretär Dr. Baumann als „Recyclingpapierfreundliche Kommune“ ausgezeichnet. Gemeinsam mit der Initiative Pro Recyclingpapier (IRP) wurde damit das vorbildhafte Engagement der Heuss-Stadt für den Klima- und Ressourcenschutz gewürdigt. Sie verwendet in allen öffentlichen Liegenschaften (Rathausverwaltung, Schulen, Kindergärten) zu 98,5 Prozent Recyclingpapier mit dem Blauen Engel.

Die Stadt Brackenheim beteiligt sich seit zwei Jahren auf Initiative des Klimaschutzmanagers Thomas Königstein mit ihrer Recyclingpapierquote am Projekt „Grüner beschaffen“ der IRP. Die entsprechende Urkunde wurde im Rahmen der 5. Jahrestagung der Kommunalen Initiative Nachhaltigkeit im Umweltministerium in Stuttgart an Bürgermeister Kieser überreicht. Lea Eggers, Projektmanagerin der IRP, betonte: “Es ist sehr begrüßenswert, das sich die Kommunen in Baden-Württemberg freiwillig engagieren und für ihre vorbildhafte Papierbeschaffung öffentlich gewürdigt werden. So motivieren sie auch weitere Kommunen, es ihnen gleichzutun und Recyclingpapier mit dem Blauen Engel zu verwenden.“

Der Einsatz von Recyclingpapier ist eine besonders einfache und effektive Maßnahme für den Schutz des Klimas und der natürlichen Ressourcen. Höchste ökologische Anforderungen und beste Qualität garantiert dabei das Umweltzeichen Blauer Engel. Die Herstellung spart im Vergleich zu Frischfaserpapier Energie und CO2 sowie Wasser und Holz.
Lesen Sie alle Details dazu im nächsten Kapitel.

CO2-Einsparung durch einen nachhaltigen Konsum

Baum als CO2-Speicher erhalten statt fällen
Baum als CO2-Speicher erhalten statt fällen

Vom Konsum betroffen sind alle Bereiche unseres täglichen privaten und beruflichen Lebens.

Das beginnt bei der Ernährung und reicht über die Bekleidung bis hin zur Beschaffung von Einrichtungs-, Büro- und Freizeitgegenständen oder Kommunikations- und Unterhaltungselektronik.

Klimaschutz-Beispiel BESCHAFFUNG
(PAPIERVERBRAUCH)

Unter dem Stichwort "Nachhaltige Beschaffung" hatten sich bereits zu Beginn des Jahres 2016 zwei Auszubildende der Stadt intensiv mit dem Thema Papierverbrauch beschäftigt. Das dazu durchgeführte Projekt von Laura Rentschler und Laura Schellenbauer wurde Anfang Juni 2016 sogar mit dem 2. Platz des EnergyScouts-Wettbewerbs der IHK Heilbronn-Franken ausgezeichnet.

Jährlicher Papierverbrauch der Stadt Brackenheim: 2.000.000 Blatt DIN A4

In allen städtischen Einrichtungen (Schulen, Kindergärten, Museen, Feuerwehren, Rathausverwaltung) werden rund 2.000.000 Blatt DIN A4 pro Jahr verbraucht, wie eine Zählerablesung aller Drucker und Kopierer ergeben hat - das entspricht knapp 50 Tonnen Papier. Zum Einsatz kommt Multifunktionspapier, das - bis zur Umstellung - zu 95 % aus Frischfaserpapier (aus 100 % Holz) und nur zu 5% aus Recyclingpapier (aus 100 % Altpapier) bestand. Dabei belastet Frischfaserpapier unsere Umwelt pro 500 Blatt (Inhalt einer Verpackung) mit einem Verbrauch von 7,5 kg Frischholz, 130 Liter Wasser und 26,8 kWh Energie und erzeugt 3,0 kg Kohlendioxid (CO2).

NICHTS ALS VORURTEILE

Papierstau
Recyclingpapier ist längst ein Hochleistungsprodukt, das es als hochwertiges Multifunktionspapier für sämtliche Anwendungen gibt. Abgelehnt wird es teilweise bis heute, weil es angeblich zu erhöhten Stauraten und zur Verstaubung von Kopiergeräten und Druckern führen soll. Ein uraltes Vorurteil! Staub und Stau entstanden früher deshalb, weil die Papierkanten nicht sorgfältig geschnitten wurden. Seit Jahrzehnten sind hier aber Frischfaser- und Recyclingpapiere qualitativ vollkommen gleichwertig - gemäß DIN EN 12281 sind beide zu 99,98 % staufrei. Wenn es einen Papierstau gibt, liegt das häufig an der mangelnden Wartung des Gerätes, wie die Erfahrungen mit vielen Kopierern zeigen, die nur mit Frischfaserpapier gefüttert werden.
Vergilbung
Recyclingpapiere, die mit dem "Blauen Engel" gekennzeichnet sind, unterliegen der DIN 6738, die bei angemessener Lagerung eine Alterungsbeständigkeit von einigen hundert Jahren garantiert. Die Oberfläche wird säurefrei (neutral) geleimt, wodurch keine Vergilbung entsteht, wie es bei der ersten Generation der Recyclingpapiere aus den 1970er-Jahren noch vorkam. Also ein längst überholtes Vorurteil. Nur wer bestimmte Dokumente auf absolut unbegrenzte Dauer lagern muss, hat sich an Papieren der DIN 9706 zu orientieren, die sich für die Langzeitarchivierung eignen. Diese sind aus Frischfaserpapier hergestellt.
Ungeeignet für Tintenstrahl-, Laser- oder Gelgeräte
Quatsch
, denn dagegen spricht u.a. die Garantie der Gerätehersteller. Mit was auch immer gedruckt oder kopiert wird, alle Recyclingprodukte mit dem "Blauen Engel" gewährleisten seit langem eine 100%ige Gerätetauglichkeit.
Grau ist unseriös
Und selbst wenn es tatsächlich längst keine technischen Hemmnisse mehr gegen die Verwendung von Recyclingpapier gibt, dieses antiquierte Vorurteil hält sich ungebrochen. "Auf dieses graue Umweltpapier drucke ich keinen Elternbrief und schicke ihn an die Eltern. Das wirkt völlig unseriös. Ich will weißes Papier!"
Schade, dass weißes Papier noch immer mit Seriösität verbunden wird, obwohl die Praxis teilweise doch ganz anders aussieht. So haben z.B. durchaus seriöse Landes- oder Finanzverwaltungen längst auf (gräuliches) Recyclingpapier umgestellt - auch weil es kostengünstiger als weißes Frischfaserpapier ist.

STAND DER TECHNIK

Technisch spricht bereits seit Ende der 1990er Jahre nichts mehr gegen Recyclingpapier, das statt aus Frischholz aus 100 % Altpapier besteht.
Weiße (Weißgrad)
Es geht damit eigentlich nur noch um die Weiße (Weißgrad entsprechend ISO 2470 - je höher die Zahl um so weißer das Weiß). Und auch hier kann Recyclingpapier längst mithalten. Denn es gibt natürlich nicht nur das gräuliche mit 60er-Weiße ("presseweiß") oder mit 70er-Weiße. Wer etwas mehr investiert, erhält auch weißes (80er- und 90er-Weiße) bis hin zu hochweißem (100er-Weiße) Recyclingpapier, das sich von weißem Frischfaserpapier kaum noch unterscheidet. Damit entfällt auch das letzte zuvor genannte Vorurteil.
Blauer Engel
Er ist das deutsche Umweltzeichen, das der R.A.L. (Deutsches Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung) vergibt. Er kennzeichnet u.a. Recyclingpapiere und Recyclingprodukte aus Altpapier. Die mit dem Blauen Engel gekennzeichneten Papierprodukte müssen folgende Anforderungen erfüllen:

  • Die Papierfasern müssen zu 100 % aus Altpapier hergestellt sein; dabei müssen mindestens 65 % des Altpapiers aus unteren, mittleren oder krafthaltigen Papiersorten bestehen
  • Kein Einsatz von Produktionschemikalien, Färbe- oder Bleichmitteln
  • Sparsamer Einsatz von Rohstoffen
  • Umweltgerechte Entsorgung der Produktionsabfälle
  • Technische Anforderungen an Papiersorten sind entsprechend der DIN-Normen einzuhalten

Deshalb sollten grundsätzlich nur Recyclingpapiere mit dem Blauen Engel (RAL-UZ 14) eingesetzt werden.  

ENDE 2016: Komplette Umstellung auf fast 100 % Recyclingpapier

Brackenheim hat im Winter 2016 umgestellt
Seit Sommer 2016 werden beim Gemeinderat bereits 30.000 Blatt DIN A4 Frischfaserpapier pro Jahr komplett eingespart, weil die Sitzungsvorlagen den Gemeinderäten nicht mehr auf Papier, sondern digital auf Tablets zur Verfügung gestellt werden.
Mit dem Ersatz der verbleibenden 1.870.000 Blatt Frischfaser- durch Recyclingpapier ergeben sich - pro Jahr - insgesamt folgende Einsparungen: Holz 28.500 Kilogramm (kg), Wasser 410.970 Liter (l), Energie 73.790 Kilowattstunden (kWh) und CO2 6.080 Kilogramm (kg).
Weil heute absolut nichts mehr gegen Recyclingpapier spricht, hat die Stadt Ende 2016 nahezu komplett zu 98,5 % auf Recyclingpapier aus 100 % Altpapier mit 100er-Weiße und dem Blauen Engel umgestellt, nachdem zunächst die vorhandenen Lagerbestände an Frischfaserpapier verbraucht wurden. Das gilt für alle öffentlichen Liegenschaften wie Schulen, Kindergärten, Museen, Feuerwehren und die Rathausverwaltung - nicht nur für weißes DIN A4- und DIN A3-Papier. Auch farbiges Papier oder Spiralblöcke sollen künftig zu 100 % aus 100 % Recyclingpapier bestehen.
Die Umstellung von Frischfaserpapier auf 100 % Recyclingpapier ist ein sehr sinnvoller Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz. Bei Einsatz von 60er- bis 80er-Weiße ist das sogar kostengünstiger, allerdings nicht akzeptiert. Papier ab 90er Weiße ist zwar etwas teurer, ein großer Teil der Mehrkosten lässt sich aber einsparen, wenn endlich statt einseitig mehr zweiseitig kopiert wird. Die Kopierer/Drucker im Rathaus sind mittlerweile fast vollständig dementsprechend auf 2-seitigen Druck voreingestellt.
Machen auch Sie mit: Gemeinsam für Klimachutz in Brackenheim!
Die beste Umwelt- und Klimaschutzmaßnahme ist übrigens: Kurz überlegen - und nur das kopieren oder drucken, was tatsächlich in Papierform gebraucht wird!
Unter Rückblick 2015 und dort unter 'Informationen' stehen Ihnen zusätzlich ein ausführliches vierseitiges Papier zur Herstellung, Nutzung und Bezug von Recyclingpapier als PDF-Download zur Verfügung.

Klimaschutz-Beispiel ERNÄHRUNG (FLEISCHKONSUM)

Jedes Essen zählt. Die Portionen auf unseren Tellern sind oft viel größer, als man denkt:
Hamburger + Pommes Frites = 3,61 m²  und  Pasta (Nudeln) + Tomatensoße = 0,46 m²
(Quelle: WWF Deutschland, Berlin: Fleisch frisst Land, 2011)

Für Rohwaren und Viehhaltung wird Anbau- und Weidefläche benötigt, die oft erst durch Rodung von (artenreichen) Wälder entsteht. Dabei sind Bäume für die CO2-Bilanz wichtig und müssen erhalten statt abgeholzt werden:
Um 1 kg Holz zu erzeugen, nimmt ein Baum gut 1,5 kg CO2 aus der Luft auf; außerdem benötigt er ca. 1 kg Wasser; etwa die Hälfte dieses Wassers gibt er - gefiltert - wieder ab und produziert so "nebenbei" noch etwa 1 kg Sauerstoff.

In jedem Essen steckt also unterschiedlich viel Fläche. Im Durchschnitt verzehrt jeder Deutsche jährlich rund 60 kg Fleisch- und Wurstwaren, wobei der Fleischverbrauch inkl. Knochen, Verluste, Tierfutter und industrieller Verwertung sogar bei 88 kg pro Person und Jahr liegt (Frauen 600 g/Woche, Männer 1.100 g/Woche). Damit verbrauchen wir nicht nur extrem viel Waldfläche zur Viehhaltung, die Tiere produzieren auch unnötig viel zusätzliches Treibhausgas vor allem in Form von Methan.

Einen großen Beitrag zum Klimaschutz leisten Sie, wenn Sie öfter oder vollständig auf tierische Produkte verzichten und sich vegetarisch ernähren (www.jedes-Essen-zählt.de).

Klimaschutz-Beispiel Produktion (KAFFEEKAPSELN)

Deutschland = Kaffeetrinkerland. So weit so gut. Fatal - immer mehr Deutsche steigen auf Kaffeekapseln um. Marktführer Nestlé ist es mit Nespresso gelungen, einen Lifestyle-Artikel zu erschaffen, der seinen Käufern das Gefühl von Exklusivität und Individualität gibt. Doch weit gefehlt.

Diese Einwegkapseln sind Rohstoffkiller, da sie zu 65 % aus Kaffee und zu 35 % aus Verpackungsmaterial bestehen (auf 6 g Kaffee kommen 3 g Aluminium). Trotzdem ließ es sich die frühere Umweltministerin und heutige Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht nehmen, 2014 das neue Nespresso-Werk in Schwerin einzuweihen, das jährlich zwei Milliarden der bunten Kapseln produzieren kann.

Die Deutschen verbrauchen pro Jahr schätzungsweise mehr als vier Milliarden dieser Kaffeekapseln, die aus etwa 1 g Aluminium pro Kapsel bestehen. Um aus Bauxit ein kg (= 1.000 g) Aluminium herzustellen, werden 14 kWh Strom verbraucht. Damit liegt der jährliche Energieverbrauch zur Herstellung nur unserer deutschen verbrauchten Kaffeekapseln bei unvorstellbaren 56.000.000 kWh/a (4.000.000.000 Kapseln/a x 1g/Kapsel x 14 kWh : 1.000 g) und der CO2-Ausstoß bei knapp 34.000.000 t/a!!

Zum Vergleich: Der Stromverbrauch eines deutschen Durchschnittshaushaltes liegt bei 3.500 kWh/a. Mit dem Energieverbrauch zur Aluminiumherstellung der Kaffeekapseln könnten allein 16.000 Haushalte pro Jahr mit Strom versorgt werden (56.000.000.000 kWh/a : 3.500 kWh/a und Haushalt).

Da auch das Recycling mit einer Quote unter 70 % nicht gut funktioniert, sollte man (nicht nur) aus Klimaschutzgründen auf Kaffeekapseln grundsätzlich verzichten. Alternativen bestehen in Aufbrühsystemen mit Papier- oder Dauerfilter, Mehrweg-Kapselsystemen oder Zellstoff-Pads.

Klimaschutz-Beispiel MÜLL (WEIHNACHTSBÄUME)

Wenn alle 29 Mio. Weihnachtsbäume nach dem Fest als Holzhackschnitzel verheizt würden, könnte man bis zum nächsten Fest 25.000 Privhathaushalte mit Wärme versorgen.