Stadt Brackenheim

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Städtisches Energiemanagement

Energiespar-Contracting: 1.543 neue LED-Straßenlampen

Neue LED-Leuchte Philips Luma

Seit dem Jahr 2010 geschieht in Brackenheim die Modernisierung der Straßenbeleuchtung von konventioneller Beleuchtung (Quecksilber- und Natriumdampflampen) auf stromeffiziente LED in kleinen Schritten - je nach Haushaltslage und Förderprogramm. Bis heute sind die Kernstadt Brackenheim (bis auf 103 Leuchten im Gebiet “Ob der Burg“), Dürrenzimmern (bis auf 25 Seilhängelampen im Bereich Mönchsbergstraße, Gassentor und 10 Mastleuchten in der West- und Kiesbachstraße), Stockheim (bis auf die Gebiete „Kling-Klang“ und „Schindeiche“) auf dem Stand der Technik. In Hausen wurden zuletzt im Jahr 2017 in verschiedenen Straßen 82 Leuchten auf LED modernisiert.
Würde dieser Weg weiter beschritten, so wäre die vollständige Umrüstung der verbliebenen 1.543 konventionellen Straßenleuchten in Neipperg, Haberschlacht, Botenheim, Meimsheim, Hausen, im Brackenheimer Gebiet “Ob der Burg“ und in Dürrenzimmern erst in etwa zehn Jahren (2028) abgeschlossen. Bei einer rechnerischen Lebensdauer der LED von 24 Jahren (100.000 Leuchtstunden dividiert durch 4.100 Leuchtstunden pro Jahr) muss dann bereits wieder an den Ersatz der ersten LED aus dem Jahr 2010 gedacht werden. Und der Instandhaltungsaufwand für die jeweils verbleibende konventionelle Beleuchtung bliebe bei dieser Vorgehensweise insgesamt vergleichsweise hoch.

Instrument Energiespar-Contracting

Mit dem seit 25 Jahren eingeführten Instrument Energiespar-Contracting durch einen privaten Investor (Contractor) ist es dagegen möglich, die 1.543 Leuchten „in einem Zug“ ohne zusätzliche Haushaltsmittel kostenneutral zu modernisieren. Deshalb wurde dem Gemeinderat im März 2017 aus haushalterischen, technischen und auch ökologischen Gründen vorgeschlagen, eine LED-Umrüstung im Wege des Einspar-Contracting als Projekt im Jahr 2018 zu realisieren.
Auf Grundlage einer detaillierten IST-Aufnahme wurden im Dezember 2017 zwölf potenziell geeignete Contractoren über das Projekt schriftlich informiert und auf einen vorgeschalteten Teilnahmewettbewerb hingewiesen. Am Wettbewerb teilgenommen haben fünf Unternehmen, von denen zwei u.a. mangels Referenzen nicht geeignet waren. Damit gingen aus dem Teilnahmewettbewerb drei Contractoren als geeignete Bieter für die Teilnahme an einer beschränkten Ausschreibung nach VOB/A hervor, die am 22. März 2018 endete.

ZEAG Energie AG aus Heilbronn machte das günstigste Angebot

Derzeit liegt der Stromverbrauch der 1.543 konventionellen Straßenleuchten bei rund 514.000 kWh pro Jahr. Durch die Umrüstung auf LED (zum Einsatz kommt die Lampe Luma des Herstellers Philips) sowie eine Leistungsreduzierung nachts von 23.00 bis 05.00 Uhr sinkt der Stromverbrauch auf nur noch rund 70.400 kWh/a. Aus der jährlichen Stromeinsparung von 443.600 kWh bzw. 86 % resultiert für die Stadt ein jährliche Stromkosteneinsparung von ca. 70.000 € bzw. eine monatliche Kosteneinsparung von 5.833 €.
Energiespar-Contracting mit Einspargarantie: Die ZEAG Energie AG erhält nun von der Stadt Brackenheim diese monatliche Kosteneinsparung über eine Vertragslaufzeit von 96 Monaten. Dafür plant, finanziert, demontiert und entsorgt, liefert und montiert die ZEAG die 1.543 LED-Lampen; die Stadt Brackenheim benötigt keinen Cent Haushaltsmittel. Vertraglich geregelt ist eine Einspar-Garantie. Wird die Stromeinsparung nicht erreicht, muss die ZEAG dafür monetär gerade stehen. Nach dem Ende der Vertragslaufzeit gehen die Lampen in das Eigentum der Stadt über - und ab dann verbleibt die Kosteneinsparung zu 100 % bei der Stadt für etwa 16 weitere Jahre Rest-Lebensdauer der LED.
Einen Kostenvorteil gibt es schon von Anfang an: Die Wartungskosten (vor allem der Ersatz von defekten Lampen) für die 1.543 Leuchten sinken von derzeit rund 15.000 € pro Jahr auf nahezu Null.

Umrüstung abgeschlossen
Am Dienstag, den 31.07. begannen die Umrüstungsarbeiten durch die Montagefirma Wilan. Zuerst wurden in den drei Stadtteilen Dürrenzimmern, Hausen und Meimsheim insgesamt 58 Seilüberspannungs-Lampen ersetzt: Statt auf Masten sind diese Lampen in der Straßenmitte an Seilen über der Straße angebracht. In Dürrenzimmern wurden 25 Lampen in der Rathausstraße, im Alten Brackenheimer Weg, im Gassentor und in der Mönchsbergstraße auf LED umgerüstet, in Hausen waren es 19 Lampen im Dorfkern sowie in der Neckarstraße, Lessingstraße und Schillerstraße, in Meimsheim wurden 14 Lampen in der Neuenbergstraße, Ferdinand-Wider-Straße, Albert-Hirth-Straße und Bahnhofstraße auf den neusten Stand der Technik gebracht.
Nach dem Betriebsurlaub der Firma Wilan ging es mit der Umrüstung der verbliebenen 1.485 Mastleuchten am 27. August weiter - langsamer als geplant. Teilweise war ein Montagetrupp krank, teilweise gab es Lieferschwierigkeiten bei den Lampen. Mitte November wurden die Arbeiten (bis auf Einzelleuchten) abgeschlossen. Eine Abnahme der gesamten Umrüstung erfolgte am 29.11.2018; in der 51. KW werden danach die letzten insgesamt 18 fehlende Lampen in Hausen, Meimsheim und Botenheim montiert.

Das mit Abstand größte Energiespar-Contracting-Projekt in Baden-Württemberg

An das Brackenheimer Contracting-Projekt hat sich noch die Nachbarstadt Lauffen angehängt. Mit insgesamt mehr als 3.000 neuen LED-Lampen, die nun in einem Zug die vorhandenen konventionellen Straßenlampen ersetzen, wird damit das mit Abstand größte Einspar-Contracting-Projekt in Baden-Württemberg (vermutlich sogar in Deutschland) realisiert.   

Mönchsbergstraße: Alte Quecksilber-Lampen
Mönchsbergstraße: Neue LED-Lampen

Verbrauchscontrolling, Energieberichte und mehr

Ein wesentlicher Schwerpunkt der Arbeit besteht darin, die eigenen städtischen Liegenschaften nach und nach energetisch zu optimieren, um den Energieverbrauch und damit die CO2-Emissionen nachhaltig zu senken, wodurch in der Folge auch die Energiekosten für Wärme, Warmwasser und Strom reduziert werden.

Das Instrument dafür wird Kommunales Energiemanagement oder Städtisches Energiemanagement genannt. Es ist ein ausgelagerter Teil des Facility-Managements, das sich als Liegenschaftsverwaltung um die komplette Verwaltung und Bewirtschaftung von Gebäuden und deren Anlagen kümmert, also u.a. auch um Beschaffung, Reinigung oder Abfallbeseitigung.
Beim kommunalen Energiemanagement geht es "nur" um die Energiebewirtschaftung aller Liegenschaften.

Beim Betrieb von Schulen, Kindergärten, Verwaltungsgebäuden, Bürgerzentren, Gemeindehallen, Museen, Feuerwehren oder Anlagen kommunaler Infrastruktur (Straßenbeleuchtung, Abwasser- und Trinkwasseranlagen) wird es immer wichtiger, Kosten zu senken sowie Energie und CO2 einzusparen. Steigende Energiekosten belasten den öffentlichen Haushalt zunehmend und das Erreichen energiepolitischer Zielsetzungen rückt ohne eine Steigerung der Energieeffizienz im Bereich der öffentlichen Gebäude in weite Ferne.

Alle praktischen Erfahrungen zeigen, dass der größte Teil der Einsparungen, die ohne größere Investitionen möglich sind, nur dann erreicht wird, wenn die Bereiche Organisation, Technik und Nutzer integrativ, im Rahmen eines eigenständigen kommunalen Energiemanagements zusammengeführt werden. Dann sind erfahrungsgemäß Kosteneinsparungen von 15 % im Durchschnitt möglich.

Auf Grundlage einer kompletten IST-Aufnahme aller energierelevanten Liegenschaften (in Brackenheim sind das aktuell 53 Gebäude in acht Stadtteilen) ermöglicht das Energiemanagement bereits durch die kontinuierliche Überwachung (Controlling) des Betriebs, Einsparmöglichkeiten zu erschließen und zeigt weitergehende Schritte zur Optimierung auf. Es erlaubt eine genaue Verbrauchskontrolle sowie eine schnelle Reaktion auf Störungen. Für den Erfolg ist es maßgeblich, Schlüsselpersonen (Hausmeister, Nutzer) zu integrieren, zu schulen und zu motivieren.

Software und Energieberichte

Erforderlich ist eine spezielle Energiemanagement-Software. Mit EKOMM 4.6 der ages GmbH aus Münster wurde im Juni 2015 ein seit mehr als 20 Jahren erprobtes Programm gekauft. Mit ihm lässt sich nach Eingabe aller IST-Zustandsdaten (Gebäude, Anlagen, Nutzung, Energieverbräuche der Jahre ab 2010) eine dauerhafte Energiebewirtschaftung, d.h. die regelmäßige monatliche Aufnahme, Eingabe und Überprüfung der Energieverbräuche einrichten. Es werden Verbrauchsentwicklungen beobachtet, organisatorische und investive Maßnahmen gezielt vorbereitet und kontrolliert sowie Einsparerfolge von umgesetzten Maßnahmen überprüft.
All das wird mit Hilfe von EKOMM 4.6 in einem jährlichen Energiebericht dokumentiert. Aktuell liegt nun - nach 2015 und 2016 - der 3. Energiebericht 2017 für das Kalenderjahr 2017 vor.

Den Energiebericht 2017 über 57 Seiten können Sie hier als PDF downloaden. Er wurde dem Gemeinderat auf der Sitzung am 17. Mai 2018 vorgestellt.