Stadt Brackenheim

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Denkanstöße mit Theodor Heuss

Denkanstöße mit Theodor Heuss

Ein Projekt im öffentlichen Raum zum selbst- und weiter denken.

 

Ich wünsche mir, dass meine Landsleute spüren, dass ich selber auch nie „reguliert“ wurde, mir die innere Freiheit nie rauben ließ.

Theodor Heuss Museum der Stadt Brackenheim
Theodor Heuss Museum der Stadt Brackenheim

Ich wünsche mir, daß meine Landsleute bei diesem Abschiedswort, das von dem Dank für viel Liebe begleitet ist, dies spüren, daß ich selber auch nie „reguliert“ wurde, sondern nur in dem Wechsel der Sachlagen, der Aufgaben, sei es drinnen, sei es draußen, mir die innere Freiheit nie rauben ließ. Sie ist der köstlichste Besitz, den Gott dem Menschen als Möglichkeit geschenkt hat und den als Aufgabe zu begreifen seine Würde bestimmt. 


Theodor Heuss: Abschiedsrede Bonn – 12. September 1959.

In: Theodor Heuss: Die großen Reden – Der Staatsmann, Tübingen 1965, S.314


Über die Sender aller westdeutschen Rundfunkanstalten verabschiedete sich nach zehnjähriger Amtszeit Theodor Heuss als Bundespräsident von der Bevölkerung.

Und was heißt Demokratie als Lebensform? Doch nur dies: dem Menschen, gleichviel wer er sei und woher er käme, als Mensch zu begegnen.

Theodor Heuss Museum der Stadt Brackenheim
Theodor Heuss Museum der Stadt Brackenheim

Was hat Heilbronn mir gegeben? Demokratie als Lebensform. Und was heißt Demokratie als Lebensform? Doch nur dies: dem Menschen, gleichviel wer er sei und woher er käme, als Mensch zu begegnen. 


Theodor Heuss: Rede in Heilbronn, 16. September 1950, beim Richtfest des Rathauses auf dem Marktplatz 

In: Stadtarchiv Heilbronn Signatur ZS 10743 Heuss, Theodor


Der altsprachliche Zug der Vereinigten Oberschulen erhielt am 16.9.1950 den Namen seines berühmtesten Schülers, Theodor Heuss, der zur Einweihung des Robert-Mayer-Schulgebäudes und der Rosenauschule an diesem Tag in Heilbronn war. 

Ich pflege meine Entschlüsse aus eigener Entscheidung zu treffen – diese nimmt mir vor der Geschichte und vor meinem Gewissen niemand ab.

Theodor Heuss Museum der Stadt Brackenheim
Theodor Heuss Museum der Stadt Brackenheim

Ich pflege meine Entschlüsse aus eigener Entscheidung zu treffen – diese nimmt mir vor der Geschichte und vor meinem Gewissen niemand ab. 


Theodor Heuss: Hüter der Verfassung.  Rundfunkansprache am 10.12.1952 zum Verzicht auf ein Gutachten des Bundesverfassungsgerichts über die Vereinbarkeit der deutsch-alliierten Verträge vom Mai 1952 mit dem Grundgesetz

In: Bulletin des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung 1952, S.1729,  zitiert nach: Der Spiegel 51 vom 17.12.1952, S.9


Die Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG) sollte eine weitergehende westeuropäische Einigung fördern, vor allem auch militärisch. Frankreich, die Benelux-Staaten, Italien und die Bundesrepublik Deutschland wären daran beteiligt gewesen; letztere hatte auch deshalb daran Interesse, weil so auch Wiederbewaffnung und Ende des Besatzungsstatuts gleichzeitig erfolgt wären.

 

Der Einwohner einer Stadt ist eine zählbare Feststellung, der Bürger eine werthaltige Kraft.

Theodor Heuss Museum der Stadt Brackenheim
Theodor Heuss Museum der Stadt Brackenheim

E i n w o h n e r  wollen, müssen magistratlich, behördlich betreut werden, -  B ü r g e r  wollen sich selbst betreuen. Es ist eine knappe Wendung in der Gefühlslage, aber sie ist entscheidend. Oder so: der Einwohner einer Stadt ist eine  z ä h l b a r e  statistische  F e s t s t e l l u n g,  - der Bürger eine  w e r t h a l t i g e  K r a f t. In dem Verhalten, auch in dem Verhältnis zwischen beiden Kategorien bleibt über Verkehrsprobleme, Straßenfluchtpläne, Gemeindeabgaben, Fürsorgewesen, Kommunalkredit und so fort, und so fort das Schicksal auch der “Stadt der Zukunft“ eingeschlossen, - - i n   n i c h t s   a n d e r e m! 


Theodor Heuss: Die Stadt der Zukunft. Rede zum fünfzigjährigen Bestehen des Deutschen Städtetages, Frankfurt 11.6.1955

In:  Baukunst und Werkform. Eine Monatsschrift für alle Gebiete der Gestaltung; Jahrgang VIII 1955, Heft 8, S.465


Von 1918 bis 1921 hauptamtlich in der Geschäftsstelle des Deutschen Werkbunds tätig, gründete das Interesse von Theodor Heuss für Fragen der Architektur und des Städtebaus in diese Zeit. In diesen Jahren liegt auch der Beginn seiner Freundschaft mit dem Architekten, Werkbund-Mitgründer (1907) und 1. Vorsitzender (1919-1921) Hans Poelzig. Über den Bauhaus-Architekten schrieb Theodor Heuss eine Biographie, die 1939 erschien und deren Wiederauflage 1941 nicht mehr möglich war.

Mit Politik kann man keine Kultur machen; vielleicht kann man mit Kultur Politik machen.

Theodor Heuss Museum der Stadt Brackenheim
Theodor Heuss Museum der Stadt Brackenheim

Vor etwa 25 Jahren hat in der demokratischen Reichstagsfraktion einer gesagt: Sie, Heuss, als Kulturpolitiker werden doch mit dieser Maßnahme einverstanden sein? Worauf ich die etwas unwirsche Antwort gegeben habe: „Mit Politik kann man keine Kultur machen; vielleicht kann man mit Kultur Politik machen“. Ich kann nicht sagen, daß diese wohl etwas snobistische Bemerkung mich damals in dem Kreis meiner Freunde sehr populär gemacht hätte. 


Theodor Heuss: Kräfte und Grenzen einer Kulturpolitik. Rede auf der Tagung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Stuttgart 17. Mai 1951. 

In: Theodor Heuss: Die großen Reden - Der Staatsmann, Tübingen 1965, S.137

 

Demokratie ist nicht bloß Stimmenzählen, sondern ein Verhalten, das den anderen zu respektieren weiß.

Theodor Heuss Museum der Stadt Brackenheim
Theodor Heuss Museum der Stadt Brackenheim

Aber was wir lernen können, und müssen, heute schon, sind die seelischen Elemente einer demokratischen Verfahrensweise. Sie sind im letzten ganz einfach: Die  A c h t u n g   v o r  d e m  a n d e r e n , vor dem Raum seines Menschentums. Demokratie ist nicht bloß Stimmenzählen, sondern e i n  V e r h a l t e n, das im Ringen um Macht und Führung den anderen zu respektieren weiß. Was für ein lästerlicher Hohn, wenn Hitler sich gelegentlich einen „Demokraten“ nannte, weil er eine Zeitlang die Maschinerie der plebiszitären Quasi-Abstimmungen in Bewegung setzte!

 


Theodor Heuss: Erziehung zur Demokratie, Rundfunkansprache als Kultminister von Nordwürttemberg und Nordbaden am 3. 10 1945

In: Schicksal und Aufgaben. Reden von Ministerpräsident für Nordwürttemberg und Nordbaden Dr. Reinhold Maier und Kultminister Dr. Theodor Heuss, Stuttgart o.J. Herausgegeben mit Genehmigung der Publications Control 6871st DISCC, S.20


Erziehung zu demokratischen Werten vor allem auch in der Bildungs- und Jugendpolitik war für Theodor Heuss zentrales Element und positiver, in die Zukunft gerichteter Gegenpol zur Entnazifizierung nach 1945. Die demokratische Umerziehung sollte seiner Meinung dabei nicht als Um-Erziehung der alliierten Besatzungsmächte geschehen, sondern als Selbst-Erziehung der Deutschen einen grundlegenden Mentalitäts- und Einstellungswandel befördern.

 

Man muss das als gegeben hinnehmen: Demokratie ist nie bequem.

Theodor Heuss Museum der Stadt Brackenheim
Theodor Heuss Museum der Stadt Brackenheim

Ich spreche jetzt mit der gebotenen Vorsicht. Neulich hat wohl ein besorgter Zeitungsmann geschrieben, der Bundespräsident dürfe auch wie jeder Bürger seine Meinung sagen. Natürlich, der Mann hat recht, ich kann schon sagen, was ich sagen will, aber ich sage eben nur das, was ich will. Das Ergebnis ist, daß wir, im Beginn wohl auch mit Zonenabtönungen, in diesen ländermäßig verselbständigenden Verfassungswesen eine wechselreiche Formulierungsfülle bekamen: auf einer Seite von Traditionen gespeist, auf der anderen Seite abhängig von Mehrheitsverhältnissen der einzelnen Parlamente. Man muß  das als gegeben hinnehmen: Demokratie ist nie bequem. 


Theodor Heuss: Kräfte und Grenzen einer Kulturpolitik. Rede auf der Tagung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Stuttgart 17. Mai 1951. 

In: Theodor Heuss: Die großen Reden - Der Staatsmann, Tübingen 1965, S.154

 

Demokratie ist Herrschaftsauftrag auf Frist.

Theodor Heuss Museum der Stadt Brackenheim
Theodor Heuss Museum der Stadt Brackenheim

Auch in der Demokratie ist der Staat ein Herrschaftselement mit Befehlsgewalt und Gehorsamsanspruch. […] Demokratie ist Herrschafts-Auftrag auf Frist. Das Entscheidende der Demokratie ist in dem funktionalen Leben der Kritik die Unkündbarkeit der Herrschaft, das Kündigungsrecht, das beim Volk liegt.


Theodor Heuss : Rede vor der Verfassunggebenden Landesversammlung für Württemberg-Baden am 18.07.1946

In: Quellen zur Verfassung von Württemberg-Baden, bearbeitet von. Paul Sauer, Stuttgart 1997, S.50